Samstag, 18. Juni 2011

„Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon“




Lesungen des Tages

2 Kor. 12,1-10.


Ich muß mich ja rühmen; zwar nützt es nichts, trotzdem will ich jetzt von Erscheinungen und Offenbarungen sprechen, die mir der Herr geschenkt hat.
Ich kenne jemand, einen Diener Christi, der vor vierzehn Jahren bis in den dritten Himmel entrückt wurde; ich weiß allerdings nicht, ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, nur Gott weiß es.
Und ich weiß, daß dieser Mensch in das Paradies entrückt wurde; ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, weiß ich nicht, nur Gott weiß es. Er hörte unsagbare Worte, die ein Mensch nicht aussprechen kann.
Diesen Mann will ich rühmen; was mich selbst angeht, will ich mich nicht rühmen, höchstens meiner Schwachheit.
Wenn ich mich dennoch rühmen wollte, wäre ich zwar kein Narr, sondern würde die Wahrheit sagen. Aber ich verzichte darauf; denn jeder soll mich nur nach dem beurteilen, was er an mir sieht oder aus meinem Mund hört.
Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe.
Dreimal habe ich den Herrn angefleht, daß dieser Bote Satans von mir ablasse.
Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit. Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt.
Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Mißhandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.


Ps. 34(33),8-9.10-11.12-13.


Der Engel des Herrn umschirmt alle, die ihn fürchten und ehren, und er befreit sie.
Kostet und seht, wie gütig der Herr ist; wohl dem, der zu ihm sich flüchtet!
Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen; denn wer ihn fürchtet, leidet keinen Mangel.
Reiche müssen darben und hungern; wer aber den Herrn sucht, braucht kein Gut zu entbehren.

Kommt, ihr Kinder, hört mir zu! Ich will euch in der Furcht des Herrn unterweisen.
Wer ist der Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht?


Mt. 6,24-34.


Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.
Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, daß ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, daß ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung?
Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern?
Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.
Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.
Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wieviel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!
Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen?
Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, daß ihr das alles braucht.
Euch aber muß es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.
Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.

„Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon“

Seht doch, welchen Gewinn uns Jesus Christus verheißt und wie sehr uns
seine Gebote nützen, da sie uns doch von so großen Übeln befreien. Das
Übel, das der Reichtum euch verursacht, so sagt er, besteht nicht nur
darin, dass er Diebe auf euch ansetzt und euren Geist verdunkelt. Die große
Wunde, die er euch zufügt, besteht darin, dass er euch dem seligmachenden
Dienst Jesu Christi entreißt und euch zu Sklaven eines gefühllosen und
toten Metalls macht. „Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon dienen.“ Der
Gedanke, Brüder, dass wir Jesus Christus zwingen, mit uns über Geld zu
sprechen, als handelte es sich dabei um eine widergöttliche Gottheit –
dieser Gedanke muss uns erzittern lassen. Ihr könntet sagen: Was nun? Haben
die alten Patriarchen nicht Mittel und Wege gefunden, zugleich Gott und dem
Geld zu dienen? Keineswegs. Aber wie konnten dann Abraham oder Ijob einen
solchen Prunk entfalten? Meine Antwort lautet: man darf keineswegs
diejenigen hier anführen, die Reichtümer besessen haben, sondern
diejenigen, die vom Reichtum besessen waren. Ijob war reich, er bediente
sich des Geldes, aber er diente ihm nicht. Er verfügte über Reichtum, aber
er betete ihn nicht an. Er ging mit seinem Vermögen um, als gehöre es einem
anderen, und sah sich als Verteiler, nicht als Besitzer... Deshalb grämte
er sich nicht, als er seinen Besitz verlor.

Freitag, 17. Juni 2011

«Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde»




Lesungen des Tages

2 Kor. 11,18.21b-30.


Da viele Menschen im Sinn dieser Welt prahlen, will auch ich einmal prahlen.
Zu meiner Schande muß ich gestehen: Dazu bin ich allerdings zu schwach gewesen. Womit aber jemand prahlt - ich rede jetzt als Narr -, damit kann auch ich prahlen.
Sie sind Hebräer - ich auch. Sie sind Israeliten - ich auch. Sie sind Nachkommen Abrahams - ich auch.
Sie sind Diener Christi - jetzt rede ich ganz unvernünftig -, ich noch mehr: Ich ertrug mehr Mühsal, war häufiger im Gefängnis, wurde mehr geschlagen, war oft in Todesgefahr.
Fünfmal erhielt ich von Juden die neununddreißig Hiebe;
dreimal wurde ich ausgepeitscht, einmal gesteinigt, dreimal erlitt ich Schiffbruch, eine Nacht und einen Tag trieb ich auf hoher See.
Ich war oft auf Reisen, gefährdet durch Flüsse, gefährdet durch Räuber, gefährdet durch das eigene Volk, gefährdet durch Heiden, gefährdet in der Stadt, gefährdet in der Wüste, gefährdet auf dem Meer, gefährdet durch falsche Brüder.
Ich erduldete Mühsal und Plage, durchwachte viele Nächte, ertrug Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Blöße.
Um von allem andern zu schweigen, weise ich noch auf den täglichen Andrang zu mir und die Sorge für alle Gemeinden hin.
Wer leidet unter seiner Schwachheit, ohne daß ich mit ihm leide? Wer kommt zu Fall, ohne daß ich von Sorge verzehrt werde?
Wenn schon geprahlt sein muß, will ich mit meiner Schwachheit prahlen.


Ps. 34(33),2-3.4-5.6-7.


Ich will den Herrn allezeit preisen; immer sei sein Lob in meinem Mund.
Meine Seele rühme sich des Herrn; die Armen sollen es hören und sich freuen.
Verherrlicht mit mir den Herrn, laßt uns gemeinsam seinen Namen rühmen.
Ich suchte den Herrn, und er hat mich erhört, er hat mich all meinen Ängsten entrissen.

Blickt auf zu ihm, so wird euer Gesicht leuchten, und ihr braucht nicht zu erröten.
Da ist ein Armer; er rief, und der Herr erhörte ihn. Er half ihm aus all seinen Nöten.


Mt. 6,19-23.


Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen,
sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen.
Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
Das Auge gibt dem Körper Licht. Wenn dein Auge gesund ist, dann wird dein ganzer Körper hell sein.
Wenn aber dein Auge krank ist, dann wird dein ganzer Körper finster sein. Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist, wie groß muß dann die Finsternis sein!

«Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde»

Wir, die Väter des 21. Ökumenischen Konzils der katholischen Kirche... Im
vollen Bewusstsein unseres Auftrags gegenüber der Menschheit wenden wir uns
mit Ehrerbietung und Vertrauen an jene, in deren Händen hier auf Erden das
Geschick der Menschen liegt; wir wenden uns an alle, denen zeitliche
Machtausübung anvertraut ist. Wir erklären mit Nachdruck: wir erweisen
eurer Autorität und Souveränität die Ehre; wir respektieren euer Amt; wir
anerkennen eure gerechten Gesetze; wir schätzen alle, die sie erlassen und
die sie anwenden. Aber wir haben ein besonders heiliges Wort an euch zu
richten: Gott allein ist groß; Gott allein ist der Anfang und das Ende;
Gott allein ist die Quelle eurer Autorität und das Fundament eurer Gesetze.
Euch kommt es zu, hier auf Erden Vorkämpfer für Ordnung und Frieden unter
den Menschen zu sein. Aber vergesst nicht: Gott, der lebendige und wahre
Gott, ist der Vater der Menschen. Und Christus, der ewige Sohn, ist
gekommen, um es uns zu sagen und uns zu lehren, dass wir alle Brüder sind
(Mt 23,8). Er ist der Urheber von Ordnung und Frieden auf Erden; denn er
lenkt die Geschichte der Menschheit, und nur er vermag die Herzen dazu
bewegen, von ihren schlimmen Leidenschaften zu lassen, die Krieg und
Unglück verursachen. Er ist es, der das Brot der Menschheit segnet und ihre
Arbeit und ihr Leid heiligt; der Freuden schenkt, die ihr nicht schenken
könnt, und der den Menschen, die ihr in ihrem Leid nicht trösten könnt,
wieder neue Kraft gibt. Auf geheimnisvolle Weise erbaut er in eurer
irdischen und zeitlichen Stadt seine geistige und ewige Stadt: seine
Kirche.

Wir können es tun!




Wir Menschen sind nach vorwärts ausgerichtet. Die Nase gibt die Richtung an. Die Augen schauen vorwärts. Unser Reden geht nach vorn. Und unser Hören ist von der Seite nach vorn ausgerichtet. Unsere Füsse zeigen nach vorn. Unsere Arme und Hände sind nach vorn ausgerichtet. Und wenn wir nach rückwärts schauen wollen, müssen wir uns drehen. Und schon ist wieder alles nach vorn ausgerichtet.

Jesus Christus sagt im Lukasevangelium: "Niemand, der die Hand an den Pflug legt und zurückschaut, taugt für das Reich Gottes." (Lk 9,62) Wer das begriffen hat, dem ist wirklich ein Licht aufgegangen. Genau so wie den Freundinnen und Freunden von Jesus Christus an Pfingsten.

Nach vorwärts drängt es uns. Wir haben Ziele zu erreichen, Aufgaben zu erfüllen und Verantwortung zu übernehmen. Wir dürfen es nicht einfach den Anderen oder gar Gott überlassen. Das Gebet ist wichtig. Aber Gott, Jesus Christus klopft uns nicht auf die Schulter und erledigt unser Anliegen für uns. Vielmehr rüstet er uns mit Kraft aus, mit der Kraft des Heiligen Geistes, dass wir uns an die Arbeit machen können.

Dass wir das Gespräch führen, das schon lange nötig ist. Dass wir die Hand zur Versöhnung reichen und nicht warten, bis es der oder die Andere tut. Dass wir den ersten Schritt tun, dass wir uns solidarisch verhalten. Dass wir die Stimme erheben, dass wir den Dreck, das Schlamassel aufräumen.

Gott hat keine Hände, nur unsere Hände.
Gott hat keine Füsse, nur unsere Füsse.
Gott braucht unser Denken und Tun, unsere Bereitschaft, uns einzusetzen für uns, für andere, für ihn.

Dafür hat er uns ausgerüstet. Wir können das wirklich tun!

Donnerstag, 16. Juni 2011

„Dein Wille geschehe“




Lesungen des Tages

2 Kor. 11,1-11.


Laßt euch doch ein wenig Unverstand von mir gefallen! Aber das tut ihr ja.
Denn ich liebe euch mit der Eifersucht Gottes; ich habe euch einem einzigen Mann verlobt, um euch als reine Jungfrau zu Christus zu führen.
Ich fürchte aber, wie die Schlange einst durch ihre Falschheit Eva täuschte, könntet auch ihr in euren Gedanken von der aufrichtigen und reinen Hingabe an Christus abkommen.
Ihr nehmt es ja offenbar hin, wenn irgendeiner daherkommt und einen anderen Jesus verkündigt, als wir verkündigt haben, wenn ihr einen anderen Geist empfangt, als ihr empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, als ihr angenommen habt.
Ich denke doch, ich stehe den Überaposteln keineswegs nach.
Im Reden mag ich ein Stümper sein, aber nicht in der Erkenntnis; wir haben sie euch in keiner Weise und in keinem Fall vorenthalten.
Oder habe ich einen Fehler gemacht, als ich, um euch zu erhöhen, mich selbst erniedrigte und euch das Evangelium Gottes verkündete, ohne etwas dafür zu nehmen?
Andere Gemeinden habe ich ausgeplündert und Geld von ihnen genommen, um euch dienen zu können.
Aber als ich zu euch kam und in Schwierigkeiten geriet, bin ich niemand zur Last gefallen; was ich zu wenig hatte, ergänzten die Brüder, die aus Mazedonien kamen. Ich habe also darauf Wert gelegt, euch in keiner Weise zur Last zu fallen, und werde auch weiterhin darauf Wert legen.
So gewiß die Wahrheit Christi in mir ist: diesen Ruhm wird mir im Gebiet von Achaia niemand nehmen.
Warum? Liebe ich euch etwa nicht? Gott weiß es.


Ps. 111(110),1-2.3-4.7-8.


Halleluja! Den Herrn will ich preisen von ganzem Herzen im Kreis der Frommen, inmitten der Gemeinde.
Groß sind die Werke des Herrn, kostbar allen, die sich an ihnen freuen.
Er waltet in Hoheit und Pracht, seine Gerechtigkeit hat Bestand für immer.
Er hat ein Gedächtnis an seine Wunder gestiftet, der Herr ist gnädig und barmherzig.

Die Werke seiner Hände sind gerecht und beständig, all seine Gebote sind verläßlich.
Sie stehen fest für immer und ewig, geschaffen in Treue und Redlichkeit.


Mt. 6,7-15.


Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen.
Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet.
So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt,
dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde.
Gib uns heute das Brot, das wir brauchen.
Und erlaß uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen.
Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben.
Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

„Dein Wille geschehe“

„Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.“ Alle meine Ratschläge
in diesem Buch haben nur ein Ziel: uns ganz in die Hände des Schöpfers zu
überantworten, unseren Willen dem seinen zu unterwerfen, uns von den
geschaffenen Dingen zu lösen. Ihr werdet die große Wichtigkeit dieser
Haltung verstanden haben, ich werde darüber nichts mehr sagen. Ich werde
nur noch aufzeigen, warum unser guter Meister diese Bitte im Vater unser
formuliert hat: Weil er weiß, wie groß der Vorteil für uns ist, dem
himmlischen Vater diese Freude zu machen. Dadurch machen wir uns bereit,
schnell das Ziel unserer Reise zu erreichen und uns an den lebendigen
Wassern gütlich zu tun...Das also ist die vollkommene Kontemplation, über
die ihr mich zu sprechen batet... Wir können ihr nichts hinzufügen. In ihr
braucht es keine Anstrengungen und keine Wissenschaft von unserer Seite; es
reicht, wenn wir sagen: „Fiat voluntas tua; dein Wille geschehe.“ Und
tatsächlich wäre alles, was wir in Angriff nehmen könnten durch unsere
Arbeit oder unser Können, um uns die Ruhe der Kontemplation zu erwirken,
nur Hindernis und Verhinderung.Dein Wille geschehe, Herr, geschehe in mir!
Auf allen Wegen und durch jede Art und Weise, die du zulässt und für
richtig hältst, mein guter Meister! Wenn du meinst, dass es durch Leiden
geschehen soll, dann stärke mich – und die Leiden mögen kommen! Wenn durch
Verfolgungen, Krankheiten, Zerwürfnisse, Entbehrungen – hier bin ich! Ich
werde mein Angesicht nicht abwenden, mein Vater. Es wäre meiner nicht
würdig, zurückzuweichen. Da dein Sohn dir meinen Willen dargebracht hat,
indem er dir den Willen aller Menschen anbot, wäre es nicht gerechtfertigt,
wenn ich mich entzöge. Doch damit ich den Mut habe, mein Gott, so bewillige
mir doch das Reich, das dein Sohn von dir für mich erbeten hat. Danach
verfüge über mein ganzes Sein, wie es deinem Willen entspricht, als sei es
schon ganz dir übereignet.

Für den Weg in die gemeinsame Vielfalt - ein Glaubensbekenntnis




Ich glaube an Gott, von dem wir sagen,
er sei wie eine Henne, die ihre Kücken wärmt.
Ich glaube an Gott, von dem wir sagen,
er sei verletzlich und weine manchmal auch mit uns Menschen.

Ich glaube an Gott, von der wir sagen,
sie habe die Welt und Frauen wie Männer wunderbar und schön gemacht.
Ich glaube an den menschgewordenen Gott, von dem wir sagen,
er habe mit uns gelebt und gelitten.
Ich glaube an den Menschen, nicht aber an den Mann Jesus Christus, empfangen
durch Liebe und Lust, geboren zwischen den Schenkeln Marias, gelitten und in
Verwahrung genommen im Namen des Gesetzes unter dem Grölen des Volkes,
geschrien in Verzweiflung, hingerichtet, ermordet und eines grausamen Todes
gestorben am Kreuz.

Ich glaube an die Auferstehung, wie es zuerst Maria aus Magdala und dann
auch Petrus und andere bezeugt haben.
Ich glaube an die Geistkraft, die Verhöhnte stark werden lässt, den Stummen
Sprache verleiht und den Kleingehaltenen Mut.
Ich glaube an die Möglichkeit von Kirche, die lebendig wird und Gemeinschaft
lebt auch ausserhalb von Kirchenmauern, wann immer die Geistkraft es will.

Ich glaube an die Gemeinschaft der Menschen, nicht nur der Heiligen.
Ich glaube an die Vergebung, die einen Neuanfang ermöglicht,
an die Lebendigkeit trotz Tod,
an Liebe trotz Hass,
an Lebenskräfte trotz Krankheit,
und ich glaube an das ewige Leben. Amen.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Fasten, Gebet, Almosen




Lesungen des Tages

2 Kor. 9,6-11.


Denkt daran: Wer kärglich sät, wird auch kärglich ernten; wer reichlich sät, wird reichlich ernten.
Jeder gebe, wie er es sich in seinem Herzen vorgenommen hat, nicht verdrossen und nicht unter Zwang; denn Gott liebt einen fröhlichen Geber.
In seiner Macht kann Gott alle Gaben über euch ausschütten, so daß euch allezeit in allem alles Nötige ausreichend zur Verfügung steht und ihr noch genug habt, um allen Gutes zu tun,
wie es in der Schrift heißt: Reichlich gibt er den Armen; seine Gerechtigkeit hat Bestand für immer.
Gott, der Samen gibt für die Aussaat und Brot zur Nahrung, wird auch euch das Saatgut geben und die Saat aufgehen lassen; er wird die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen lassen.
In allem werdet ihr reich genug sein, um selbstlos schenken zu können; und wenn wir diese Gabe überbringen, wird sie Dank an Gott hervorrufen.


Ps. 112(111),1-2.3-4.9.


Halleluja! Wohl dem Mann, der den Herrn fürchtet und ehrt und sich herzlich freut an seinen Geboten.
Seine Nachkommen werden mächtig im Land, das Geschlecht der Redlichen wird gesegnet.
Wohlstand und Reichtum füllen sein Haus, sein Heil hat Bestand für immer.
Den Redlichen erstrahlt im Finstern ein Licht: der Gnädige, Barmherzige und Gerechte.

Reichlich gibt er den Armen, sein Heil hat Bestand für immer; er ist mächtig und hoch geehrt.


Mt. 6,1-6.16-18.


Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten.
Wenn du Almosen gibst, laß es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut.
Dein Almosen soll verborgen bleiben, und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, daß sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht,
damit die Leute nicht merken, daß du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.


Fasten, Gebet, Almosen

Die Epikuräer, die keine Hoffnung auf ein Leben jenseits des Grabes haben,
die einzig die Vergnügungen des Fleisches kennen, hört man so sprechen:
„Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot“ (1Kor 15,32)...
Christen aber, für die ein anderes, glücklicheres Leben nach dem Tode
beginnen soll, müssen sich hüten, so etwas zu sagen. Erinnert euch denn
auch an diese Wahrheit: „Morgen sind wir tot“, doch fügt hinzu: „Fasten und
beten wir also, denn der Tod kann morgen kommen.“Doch ich fordere noch
etwas anderes, eine dritte Sache, und ich möchte nicht verschweigen, dass
sie unter allen Umständen dazugehören muss: Euer Fasten soll den Hunger des
Armen stillen. Wenn ihr nicht fasten könnt, so bemüht euch umso mehr, den
zu speisen, dessen gestillter Hunger auch die Vergebung erwirken wird. Das
also ist es, was Christen zu sprechen haben: „Lasst uns fasten, beten und
an die Armen austeilen, denn morgen sind wir tot.“

Verfallsdatum




Auf der ersten Seite einer Zeitung war die Schlagzeile platziert:
Bundesratskandidat mit 60 schon zu alt!
Aufgeschreckt dachte ich daran, dass mich selbst auch nur ein paar Jährchen
von dieser Zahl trennen. Gleich-zeitig erinnerte ich mich an das kurze
Gespräch dreier
Männer im Bus, als ich früh morgens zum Bahnhof fuhr.

"Weisst du, ich bin halt alt, verbraucht und betriebsblind", sagte der eine.
"Dann mach' es doch wie der XY, der hat sich krank gemeldet und ist gar
nicht mehr in die Firma zurückgekehrt. Jetzt bezieht er IV", gibt ihm der
andere zur Antwort. - „Was? Nein, das ist nichts für mich. Aber wenn du über
dreissig Jahre immer im selben Betrieb bist, dein ganzes Wissen und deine
Arbeitskraft investiert hast, dann ist es einfach bitter zu hören, dass du
nicht mehr die volle Leistung bringst und vielleicht ausrangiert werden
sollst."

Wir definieren uns zu einem guten Teil über die Arbeit, weil wir dadurch
erfahren, dass wir etwas wert sind. Wird Arbeit nämlich nicht (nur) als
Last, Dauerstress und Druck erlebt, ist sie ein positiver Wert. So heisst es
schon beim Philosophen Immanuel Kant: "Je mehr wir beschäftigt sind, je mehr
fühlen wir, dass wir leben." In der Regel ist unsere Arbeit allerdings
geplant und bestimmt von anderen.

Aber wir sind nicht nur zur Arbeit geschaffen. Wenn die Zeit der
Pensionie-rung kommt oder bei Arbeitslosigkeit, kann dieser Verlust mit
einem Gefühl von Trauer einhergehen. Oder noch krasser, es kommt einem
Schock gleich, wenn alles plötzlich wegfällt, was dem Leben ein Stück Sinn
gegeben hat. Zweifel und Unsicherheit machen sich breit: Bin ich noch
'brauchbar'? Wem nütze ich noch?
Ein Wendepunkt erfordert Abschied nehmen, Perspektivenwechsel und
Neu-orientierung. Darin liegt auch eine Chance, wenn wir fragen: Was kam
bisher zu kurz? Was macht mir Freude? Welche Alternativen gibt es? Was kann
mir
Erfüllung bringen? Womit möchte ich das noch unbeschriebene Blatt 'Zukunft'
füllen? Was soll zuerst einmal bewusst leer bleiben? Und letztlich erweist
sich manches, was im ersten Moment sinnlos erscheint, vielleicht als gute
Fügung Gottes.

Dienstag, 14. Juni 2011

„Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde“




Lesungen des Tages

2 Kor. 8,1-9.


Brüder, wir wollen euch jetzt von der Gnade erzählen, die Gott den Gemeinden Mazedoniens erwiesen hat.
Während sie durch große Not geprüft wurden, verwandelten sich ihre übergroße Freude und ihre tiefe Armut in den Reichtum ihres selbstlosen Gebens.
Ich bezeuge, daß sie nach Kräften und sogar über ihre Kräfte spendeten, ganz von sich aus,
indem sie sich geradezu aufdrängten und uns um die Gunst baten, zur Hilfeleistung für die Heiligen beitragen zu dürfen.
Und über unsere Erwartung hinaus haben sie sich eingesetzt, zunächst für den Herrn, aber auch für uns, wie es Gottes Wille war.
Daraufhin ermutigten wir Titus, dieses Liebeswerk, das er früher bei euch begonnen hatte, nun auch zu vollenden.
Wie ihr aber an allem reich seid, an Glauben, Rede und Erkenntnis, an jedem Eifer und an der Liebe, die wir in euch begründet haben, so sollt ihr euch auch an diesem Liebeswerk mit reichlichen Spenden beteiligen.
Ich meine das nicht als strenge Weisung, aber ich gebe euch Gelegenheit, angesichts des Eifers anderer auch eure Liebe als echt zu erweisen.
Denn ihr wißt, was Jesus Christus, unser Herr, in seiner Liebe getan hat: Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen.


Ps. 146(145),2.5-6.7.8-9a.


Ich will den Herrn loben, solange ich lebe, meinem Gott singen und spielen, solange ich da bin.
Wohl dem, dessen Halt der Gott Jakobs ist und der seine Hoffnung auf den Herrn, seinen Gott, setzt.
Der Herr hat Himmel und Erde gemacht, das Meer und alle Geschöpfe; er hält ewig die Treue.
Recht verschafft er den Unterdrückten, den Hungernden gibt er Brot; der Herr befreit die Gefangenen.

Der Herr öffnet den Blinden die Augen, er richtet die Gebeugten auf.
Der Herr beschützt die Fremden und verhilft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht. Der Herr liebt die Gerechten, doch die Schritte der Frevler leitet er in die Irre.


Mt. 5,43-48.


Ihr habt gehört, daß gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.
Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen,
damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er läßt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er läßt regnen über Gerechte und Ungerechte.
Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner?
Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?
Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

„Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde“

Wir, also alle unsere Brüder, bedenken aufmerksam, was der Herr sagt:
„Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen“. Unser Herr Jesus
Christus, dessen Spuren wir folgen sollen (vgl. 1Petr 2,21), hat den Freund
genannt, der ihn verraten sollte (Mt 26,50), und hat sich denen freiwillig
ausgeliefert, die ihn kreuzigen würden. All jene sind also unsere Freunde,
die uns zu Unrecht bedrängen und einschüchtern, die uns beleidigen und
beschimpfen, wehtun und quälen, dem Martyrium ausliefern und töten. Wir
müssen sie sehr lieben, denn die Schläge, die sie uns zufügen, erwirken uns
das ewige Leben.

Montag, 13. Juni 2011

«Ich aber sage euch : Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand»




Lesungen des Tages

2 Kor. 6,1-10.


Als Mitarbeiter Gottes ermahnen wir euch, daß ihr seine Gnade nicht vergebens empfangt.
Denn es heißt: Zur Zeit der Gnade erhöre ich dich, am Tag der Rettung helfe ich dir. Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; jetzt ist er da, der Tag der Rettung.
Niemand geben wir auch nur den geringsten Anstoß, damit unser Dienst nicht getadelt werden kann.
In allem erweisen wir uns als Gottes Diener: durch große Standhaftigkeit, in Bedrängnis, in Not, in Angst,
unter Schlägen, in Gefängnissen, in Zeiten der Unruhe, unter der Last der Arbeit, in durchwachten Nächten, durch Fasten,
durch lautere Gesinnung, durch Erkenntnis, durch Langmut, durch Güte, durch den Heiligen Geist, durch ungeheuchelte Liebe,
durch das Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den Waffen der Gerechtigkeit in der Rechten und in der Linken,
bei Ehrung und Schmähung, bei übler Nachrede und bei Lob. Wir gelten als Betrüger und sind doch wahrhaftig;
wir werden verkannt und doch anerkannt; wir sind wie Sterbende, und seht: wir leben; wir werden gezüchtigt und doch nicht getötet;
uns wird Leid zugefügt, und doch sind wir jederzeit fröhlich; wir sind arm und machen doch viele reich; wir haben nichts und haben doch alles.


Ps. 98(97),1.2-3ab.3cd-4.


[Ein Psalm.] Singet dem Herrn ein neues Lied; denn er hat wunderbare Taten vollbracht. Er hat mit seiner Rechten geholfen und mit seinem heiligen Arm.
Der Herr hat sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker.
Er dachte an seine Huld und an seine Treue zum Hause Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes.
Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde, freut euch, jubelt und singt!



Mt. 5,38-42.


Ihr habt gehört, daß gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn.
Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.
Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann laß ihm auch den Mantel.
Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm.
Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.

«Ich aber sage euch : Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand»

Im Namen des gerechten und guten Gottes und seines Sohnes Jesus
bitten wir euch, ihr jungen Frauen und Männer: Öffnet weit eure Herzen für
die Anliegen der ganzen Welt. Hört den Ruf eurer Geschwister und stellt
eure jugendlichen Energien unerschrocken in ihren Dienst. Geht an gegen
jede Art von Egoismus. Weigert euch, den Instinkten von Gewalt und Hass
freien Lauf zu lassen: Sie provozieren Kriege und damit jedwedes Leid. Seid
großherzig, lauter, rücksichtsvoll, aufrichtig. Und baut voll Enthusiasmus
an einer Welt, die besser ist als die Welt eurer Vorfahren. Die Kirche
schaut mit Vertrauen und Liebe auf euch. Sie ist ja die wahre Jugend der
Welt, sie hat eine reiche, immer noch lebendige Vergangenheit und ist auf
dem Weg zu menschlicher Vervollkommnung in der Zeit und zur letzten
Bestimmung der Geschichte und des Lebens. Sie hat das, was die Kraft und
den Charme der Jugend ausmacht: die Fähigkeit, sich über das, was anbricht,
zu freuen; sich selbstlos zu schenken, sich zu erneuern und zu neuen Ufern
aufzubrechen. Schaut sie an, und ihr findet in ihr das Antlitz Christi: Er
ist der echte Held, demütig und weise; der Verkünder der Wahrheit und der
Liebe, der Weggefährte und der Freund der Jugend. Wenn wir euch jetztgrüßen, ermuntern und segnen, so geschieht es im Namen Christi.

Sonntag, 12. Juni 2011

„Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“




Lesungen des Tages

Apg. 2,1-11.


Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort.
Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.
Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.
Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.
In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.
Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.
Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?
Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:
Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien,
von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten,
Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.


Ps. 104(103),1ab.24ac.29bc-30.31.34.


Lobe den Herrn, meine Seele! Herr, mein Gott, wie groß bist du! Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Verbirgst du dein Gesicht, sind sie verstört; nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin und kehren zurück zum Staub der Erde.
Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen, und du erneuerst das Antlitz der Erde.

Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn; der Herr freue sich seiner Werke.
Möge ihm mein Dichten gefallen. Ich will mich freuen am Herrn.


1 Kor. 12,3b-7.12-13.


Darum erkläre ich euch: Keiner, der aus dem Geist Gottes redet, sagt: Jesus sei verflucht! Und keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet.
Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist.
Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn.
Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen.
Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.
Denn wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: so ist es auch mit Christus.
Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.


Joh. 20,19-23.


Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, daß sie den Herrn sahen.
Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

„Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Joh 20,21)

„Die Apostel waren da, sie saßen oben im Abendmahlsaal und warteten auf
den Heiligen Geist. Sie glichen bereitgestellten Fackeln, die darauf
warten, dass der Heilige Geist sie entzünde, um dann durch ihre Lehre die
ganze Schöpfung zu erleuchten... Sie waren da wie Bauern, die in der
Manteltasche ihre Saat mit sich tragen und auf den Augenblick warten, in
dem sie den Auftrag zur Aussaat bekämen. Sie waren da wie Matrosen, deren
Boot am Hafen, der dem Befehl des Sohnes untersteht, festgebunden ist, und
die auf den sanften Wind des Geistes warten. Sie waren da wie Hirten, die
soeben aus den Händen des Großen Hirten im Schafstall ihren Hirtenstab
empfangen haben und nun darauf warten, dass ihnen die Herden zugeteilt
werden. „Sie begannen in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen
eingab.“ O Obergemach, du bist der Backtrog, in den der Sauerteig geworfen
ist, der das ganze Universum zum Gären bringt! Obergemach, du Mutter aller
Kirchen; Obergemach, du hast das Wunder des brennenden Dornbuschs erlebt
(Ex 3). Obergemach, du hast Jerusalem in Erstaunen versetzt durch ein
Wunder, das weit größer ist als das Wunder des glühenden Feuerofens, das
die Einwohner von Babylon in Erstaunen versetzt hat (Dan 3). Das Feuer des
Ofens verbrannte diejenigen, die außerhalb des Ofens standen, aber
verschonte die drei Männer in seiner Mitte; das Feuer des Obergeschoßes
führt die zusammen, die von außen kommen und es sehen wollen; es stärkt
diejenigen, die es empfangen. O Feuer, dein Erscheinen ist Wort, dein
Schweigen ist Licht, du stiftest die Herzen an zur Danksagung!... Leute,
die sich dem Heiligen Geist widersetzten, sagten: „Diese da sind vom süßen
Wein betrunken“. Ihr sagt wirklich die Wahrheit, aber es ist nicht so, wie
ihr glaubt. Sie haben nicht Wein von den Rebstöcken getrunken. Es ist ein
neuer Wein, der vom Himmel herabfließt, ein auf Golgotha frisch gepresster
Wein. Die Apostel haben ihn kredenzt und so die ganze Schöpfung trunken
gemacht. Es ist Wein, der am Kreuz gepresst worden ist.

Samstag, 11. Juni 2011

„Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe.“




Lesungen des Tages

Apg. 11,21b-26.13,1-3.


Die Hand des Herrn war mit ihnen, und viele wurden gläubig und bekehrten sich zum Herrn.
Die Nachricht davon kam der Gemeinde von Jerusalem zu Ohren, und sie schickten Barnabas nach Antiochia.
Als er ankam und die Gnade Gottes sah, freute er sich und ermahnte alle, dem Herrn treu zu bleiben, wie sie es sich vorgenommen hatten.
Denn er war ein trefflicher Mann, erfüllt vom Heiligen Geist und von Glauben. So wurde für den Herrn eine beträchtliche Zahl hinzugewonnen.
Barnabas aber zog nach Tarsus, um Saulus aufzusuchen.
Er fand ihn und nahm ihn nach Antiochia mit. Dort wirkten sie miteinander ein volles Jahr in der Gemeinde und unterrichteten eine große Zahl von Menschen. In Antiochia nannte man die Jünger zum erstenmal Christen.
In der Gemeinde von Antiochia gab es Propheten und Lehrer: Barnabas und Simeon, genannt Niger, Luzius von Zyrene, Manaën, ein Jugendgefährte des Tetrarchen Herodes, und Saulus.
Als sie zu Ehren des Herrn Gottesdienst feierten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Wählt mir Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie mir berufen habe.
Da fasteten und beteten sie, legten ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen.


Ps. 98(97),1.2-3ab.3c-4.5-6.


[Ein Psalm.] Singet dem Herrn ein neues Lied; denn er hat wunderbare Taten vollbracht. Er hat mit seiner Rechten geholfen und mit seinem heiligen Arm.
Der Herr hat sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker.
Er dachte an seine Huld und an seine Treue zum Hause Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes.
Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde, freut euch, jubelt und singt!

Spielt dem Herrn auf der Harfe, auf der Harfe zu lautem Gesang!
Zum Schall der Trompeten und Hörner jauchzt vor dem Herrn, dem König!


Mt. 10,7-13.


Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe.
Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.
Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel.
Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Unterhalt.
Wenn ihr in eine Stadt oder in ein Dorf kommt, erkundigt euch, wer es wert ist, euch aufzunehmen; bei ihm bleibt, bis ihr den Ort wieder verlaßt.
Wenn ihr in ein Haus kommt, dann wünscht ihm Frieden.
Wenn das Haus es wert ist, soll der Friede, den ihr ihm wünscht, bei ihm einkehren. Ist das Haus es aber nicht wert, dann soll der Friede zu euch zurückkehren.


„Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe.“

An euch, ihr jungen Männer und Frauen, richtet das Konzil seine letzte
Botschaft. Denn ihr werdet die Flamme aus den Händen eurer älteren
Geschwister entgegennehmen. Ihr werdet leben in einer Welt, die im Begriff
ist, die größten Umwälzungen ihrer Geschichte mitzumachen. Ihr werdet die
Gesellschaft von morgen formen. Dafür müsst ihr euch das Beste nehmen von
dem, was eure Eltern und Lehrer euch an Beispiel und Lehre hinterlassen
haben: Ihr werdet entweder gerettet oder mit dieser Gesellschaft zugrunde
gehen.
Die Kirche hat vier Jahre lang daran gearbeitet, ihr Antlitz zu verjüngen,
um besser antworten zu können auf den Plan ihres Gründers, dem Lebendigen,
dem ewig jungen Christus. Am Ende dieser „Lebensrevision“ wendet sie sich
euch zu. Für euch, die Jungen, vor allem für euch, hat sie mit ihrem Konzil
ein Licht anzünden wollen: ein Licht, das die Zukunft erleuchtet, die eure
Zukunft sein wird.
Die Kirche sorgt sich darum, dass diese Gesellschaft, die ihr bilden
werdet, die Würde, die Freiheit und das Recht der menschlichen Personen
achtet. Ihr selbst seid diese Menschen. Sie sorgt sich vor allem darum,
dass diese Gesellschaft ihren immer alten und immer neuen Schatz zur
Entfaltung bringt: den Glauben, und dass eure Seelen sich frei an seiner
wohltuenden Klarheit erfrischen können. Die Kirche vertraut euch, dass ihr
eine solche Kraft und Freude finden werdet, die euch noch nicht einmal der
Versuchung aussetzen, euch der Verführung von egoistischen und
hedonistischen Philosophien hinzugeben oder etwa Philosophien der
Verzweiflung und des Nichts, wie es einigen eurer Vorfahren widerfuhr. Ihr
sollt angesichts des Atheismus, des Phänomens der Antriebslosigkeit und
Vergreisung euren Glauben an das Leben bekennen und an das, was dem Leben
einen Sinn gibt: die Glaubenssicherheit der Existenz eines Gottes, der
gerecht und gut ist.

Freitag, 10. Juni 2011

Petrus Liebst du mich?




Lesungen des Tages

Apg. 25,13b-21.


Einige Tage später trafen König Agrippa und Berenike in Cäsarea ein, um Festus ihre Aufwartung zu machen.
Sie blieben mehrere Tage dort. Da trug Festus dem König den Fall des Paulus vor und sagte: Von Felix ist ein Mann als Gefangener zurückgelassen worden,
gegen den die Hohenpriester und die Ältesten der Juden, als ich in Jerusalem war, vorstellig wurden. Sie forderten seine Verurteilung,
ich aber erwiderte ihnen, es sei bei den Römern nicht üblich, einen Menschen auszuliefern, bevor nicht der Angeklagte den Anklägern gegenübergestellt sei und Gelegenheit erhalten habe, sich gegen die Anschuldigungen zu verteidigen.
Als sie dann zusammen hierher kamen, setzte ich mich gleich am nächsten Tag auf den Richterstuhl und ließ den Mann vorführen.
Bei der Gegenüberstellung brachten die Kläger keine Anklage wegen solcher Verbrechen vor, die ich vermutet hatte;
sie führten nur einige Streitfragen gegen ihn ins Feld, die ihre Religion und einen gewissen Jesus betreffen, der gestorben ist, von dem Paulus aber behauptet, er lebe.
Da ich mich auf die Untersuchung dieser Dinge nicht verstand, fragte ich, ob er nach Jerusalem gehen wolle, um sich dort deswegen richten zu lassen.
Paulus jedoch legte Berufung ein; er wollte bis zur Entscheidung der kaiserlichen Majestät in Haft bleiben. Daher gab ich Befehl, ihn in Haft zu halten, bis ich ihn zum Kaiser schicken kann.


Ps. 103(102),1-2.11-12.19-20ab.


[Von David.] Lobe den Herrn, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen!
Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat:
Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch ist seine Huld über denen, die ihn fürchten.
So weit der Aufgang entfernt ist vom Untergang, so weit entfernt er die Schuld von uns.

Der Herr hat seinen Thron errichtet im Himmel, seine königliche Macht beherrscht das All.
Lobt den Herrn, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die seine Befehle vollstrecken, seinen Worten gehorsam!


Joh. 21,15-19.


Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!
Zum zweitenmal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
Zum drittenmal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum drittenmal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, daß ich dich liebhabe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.
Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!



„Petrus, liebst du mich?“

In der Stunde der Prüfung hat Petrus seinen Meister drei Mal verraten. Und
seine Stimme hat gezittert, als er ihm antwortete: „Herr, du weißt, dass
ich dich liebe.“ Doch er hat nicht etwa geantwortet: „Und doch, Herr, habe
ich dich enttäuscht.“, sondern „Herr, du weißt, dass ich dich liebe.“ Als
er das sagte, wusste er schon, dass Christus der Eckstein ist (vgl. Apg
4,11), auf dem, aller menschlichen Schwachheit zum Trotz, durch ihn,
Petrus, dieses Gebäude aufgebaut werden kann, dessen Grundgerüst die Liebe
ist: durch alle Lebenssituationen und alle Prüfungen, bis zum Ende. Daher
konnte er später schreiben...: „Lasst euch als lebendige Steine zu einem
geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus
Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen.“ (1Petr 2,5).
Das alles will nichts anderes heißen, als immer und unaufhörlich mit
Ausdauer und Konsequenz auf diese Frage zu antworten: „Liebst du? Liebst du
mich? Liebst du mich immer mehr?“ Und es ist tatsächlich diese Antwort, das
heißt diese Liebe, die macht, dass wir „ein auserwähltes Geschlecht, eine
königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk sind, das Gottes
besonderes Eigentum ist“ (vgl. 1Petr 2,9). Diese Antwort ist es, die uns
die wunderbaren Taten dessen verkündigen lässt, der „uns aus der Finsternis
in sein wunderbares Licht gerufen hat“ (1Petr 2,9). Um dies alles wusste
Petrus in der absoluten Sicherheit seines Glaubens. Und dies alles weiß er
und er verkündigt es weiterhin durch seine Nachfolger.

Das Kreuz mit dem Kreuz!




Es ist ja seltsam, dass wir als Zeichen für unsern Glauben ein
Folterwerkzeug der römischen Zeit haben: Das Kreuz. Verständlich, wer Mühe
damit hat. Ist es aber noch verständlich, keine Mühe damit zu haben?

Unser Kreuz erinnert an den Tod Jesu, sein Leiden und Sterben - ein
solidarisches Leiden. Das macht es besonders. Jesus leidet am Kreuz,
sichtbar für alle, es führt zu seinem Tod, das letzte irdische Zeichen, was
wir anschauen und - wenn es klein genug ist - auch in die Hand nehmen
können. Es verweist auf Ostern. Über Leiden und Sterben hinaus, richtet es
uns aus: Wie grausam uns unser Leben auch mitspielt, das letzte Wort ist mit
Tod und Schmerz und Leid nicht gesprochen. Darauf sollen wir vertrauen. Es
gibt ein Aufstehen nach dem Schmerz, es gibt ein Auferstehen nach dem Tod:
Das eine zu sehen, das andere zu glauben. Gott ist mit seiner Kraft in unser
Leben eingetaucht, damit wir seine Lebenskraft spüren durch alles hindurch
und in allem. Als ich dann ein Kreuz aus Sonnenkollektoren sah, hab ich mir
gedacht, das ist ja super, das gibt Energie, Kraft sich im Leben zu
bewähren.
Energie aus dem Kreuz.

Nicht nur Sonnenkollektoren sind Energie-lieferanten auch das Kreuz Christi
ist es. Weil die Geschichte Gottes mit seinen Menschen am Karfreitag nicht
mit dem Tod Jesu am Kreuz zu Ende ging. Die Geschichte geht weiter, ja sie
beginnt ganz neu mit der Zeit nach Ostern: Wir können ganz neu begreifen,
dass da mehr ist als Tod und Verderben, dass da Gott ein "Jetzt erst recht"
in unsere Welt gesprochen hat. Leben trotz allem Tod, Freude gegen alle
Trauer, Kraft gegen alle Schwäche, Energie über jegliches Ausgepumptsein,
unauslöschliches Brennen für die Sache Leben gegen alles Ausbrennen. Wenn
wir das merken und auch leben dann ist für uns Pfingsten geworden.

Donnerstag, 9. Juni 2011

„Damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin“




Lesungen des Tages

Apg. 22,30.23,6-11.


Weil er genau wissen wollte, was die Juden ihm vorwarfen, ließ er ihn am nächsten Tag aus dem Gefängnis holen und befahl, die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat sollten sich versammeln. Und er ließ Paulus hinunterführen und ihnen gegenüberstellen.
Da Paulus aber wußte, daß der eine Teil zu den Sadduzäern, der andere zu den Pharisäern gehörte, rief er vor dem Hohen Rat aus: Brüder, ich bin Pharisäer und ein Sohn von Pharisäern; wegen der Hoffnung und wegen der Auferstehung der Toten stehe ich vor Gericht.
Als er das sagte, brach ein Streit zwischen den Pharisäern und den Sadduzäern aus, und die Versammlung spaltete sich.
Die Sadduzäer behaupten nämlich, es gebe weder eine Auferstehung noch Engel noch Geister, die Pharisäer dagegen bekennen sich zu all dem.
Es erhob sich ein lautes Geschrei, und einige Schriftgelehrte aus dem Kreis der Pharisäer standen auf und verfochten ihre Ansicht. Sie sagten: Wir finden nichts Schlimmes an diesem Menschen. Vielleicht hat doch ein Geist oder ein Engel zu ihm gesprochen.
Als der Streit heftiger wurde, befürchtete der Oberst, sie könnten Paulus zerreißen. Daher ließ er die Wachtruppe herabkommen, ihn mit Gewalt aus ihrer Mitte herausholen und in die Kaserne bringen.
In der folgenden Nacht aber trat der Herr zu Paulus und sagte: Hab Mut! Denn so wie du in Jerusalem meine Sache bezeugt hast, sollst du auch in Rom Zeugnis ablegen.


Ps. 16(15),1-2a.5.7-8.9-10.11.


[Ein Lied Davids.] Behüte mich, Gott, denn ich vertraue dir.
Ich sage zum Herrn: «Du bist mein Herr; mein ganzes Glück bist du allein.»
Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher; du hältst mein Los in deinen Händen.
Ich preise den Herrn, der mich beraten hat. Auch mahnt mich mein Herz in der Nacht.

Ich habe den Herrn beständig vor Augen. Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht.
Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele; auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit.
Denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis; du läßt deinen Frommen das Grab nicht schauen.
Du zeigst mir den Pfad zum Leben. Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle, zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit.



Joh. 17,20-26.


Aber ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.
Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, daß du mich gesandt hast.
Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind,
ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, daß du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich.
Vater, ich will, daß alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt.
Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt, und sie haben erkannt, daß du mich gesandt hast.
Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.


„Damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin“

Unser Retter hat für seine Jünger so zum Vater gebetet: „Die Liebe, mit
der du mich geliebt hast, soll in ihnen und sie sollen in uns sein“; und
weiter: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir
bin, sollen auch sie in uns sein“. Dieses Gebet wird in uns zur vollen
Wirklichkeit, wenn die vollkommene Liebe, mit der „uns Gott zuerst geliebt
hat“ (1 Joh 4,10) unser Herz so vollkommen durchdrungen hat, wie dieses
Gebet des Herrn es will...

Das wird geschehen, wenn unsere ganze Liebe, unser ganzes Sehnen, unser
ganzes Streben und Trachten, unser ganzes Denken, unser ganzes Leben und
Reden und Atmen nur noch Gott ist; es wird geschehen, wenn das Einssein des
Vaters mit dem Sohn und des Sohnes mit dem Vater unsere Seele und unser
Herz durchdrungen hat – also wenn wir die wahre, reine und unzerstörbare
Liebe, mit der er uns liebt, uns zum Vorbild nehmen und so mit ihm eins
sind durch eine beständige und unverbrüchliche Liebe: wenn wir so sehr mit
ihm verbunden sind, dass all unser Atmen, Denken und Reden nur noch Er ist.
So wird uns am Ende das zuteil... wonach der Herr in seinem Gebet sich
sehnte: dass sich in uns vollende, „dass alle eins sind, wie wir eins sind,
ich in ihnen und du in mir, damit sie vollendet sind in der Einheit und
dass „alle, die du, Vater, mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich
bin“.

Dazu ist derjenige bestimmt, der in der Einsamkeit betet, darauf muss er
all sein Bemühen richten: der Gnade teilhaft zu werden, schon in diesem
Leben eine Vorstellung von der kommenden Seligkeit zu bekommen und – als
Vorgeschmack in seinem sterblichen Leib – vom Leben und der Herrlichkeit
des Himmels.

Die Menschenmenge und ich




Wie halten Sie es? Tauchen Sie gerne ein in eine Menge von Menschen? Fühlen
Sie sich dann pudelwohl, so nah beieinander, dass Haut und Haut sich fast
berühren? Kommt es vielleicht darauf an, wo das ist? Im Zug, Tram oder Bus,
bei der morgendlichen Fahrt an die Arbeit ist es vielleicht anders als bei
heissem Wetter in der Badeanstalt, anders bei Fussball- und
Eishockeyspielen, bei der Love-Parade Zürich wieder anders und nochmals
anders war es bei der Love-Parade in Duisburg.

Ich gehöre zu denen, die solche Menschenmassen in der Regel meiden. Mir ist
nicht wohl, wenn zu viele Menschen zur gleichen Zeit das Gleiche tun. Da
kann schon geschehen, dass die Masse zum Mob wird.

Wie sehr habe ich da gestaunt, als die Menschen beim Deutschen Evangelischen
Kirchentag in Dresden den gemeinsamen Anfangsgottesdienst gefeiert haben.
Mit Tausenden zu singen, zu beten, Gottesdienst zu feiern, dicht an dicht,
keine Angst vor Panik oder Gewalt. Eine friedliche Stimmung, die mich tief
beeindruckte. Es geht also: In einer Menge einzutauchen und darin sich wohl
und geborgen fühlen, ohne Geschrei und ohne Ekstase. Biblische Bilder werden
wach, besonders beim Thema des Kirchentages, das mitten aus der Bergpredigt
stammt: „Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.“ (Mt 6, 21).
– Bilder, die ich von der Bergpredigt mir mache. Tausende von Menschen hören
dem Einen zu, lassen sich bewegen von seinen Worten:
„Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, wo Motte und Rost sie zunichte machen
und wo Diebe einbrechen und stehlen! Sammelt euch vielmehr Schätze im
Himmel, wo weder Motte noch Rost sie zunichte machen und wo Diebe nicht
einbrechen und stehlen! Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“

Mittwoch, 8. Juni 2011

„Damit sie eins sind wie wir“




Lesungen des Tages

Apg. 20,28-38.


Gebt acht auf euch und auf die ganze Herde, in der euch der Heilige Geist zu Bischöfen bestellt hat, damit ihr als Hirten für die Kirche Gottes sorgt, die er sich durch das Blut seines eigenen Sohnes erworben hat.
Ich weiß: Nach meinem Weggang werden reißende Wölfe bei euch eindringen und die Herde nicht schonen.
Und selbst aus eurer Mitte werden Männer auftreten, die mit ihren falschen Reden die Jünger auf ihre Seite ziehen.
Seid also wachsam, und denkt daran, daß ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht aufgehört habe, unter Tränen jeden einzelnen zu ermahnen.
Und jetzt vertraue ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an, das die Kraft hat, aufzubauen und das Erbe in der Gemeinschaft der Geheiligten zu verleihen.
Silber oder Gold oder Kleider habe ich von keinem verlangt;
ihr wißt selbst, daß für meinen Unterhalt und den meiner Begleiter diese Hände hier gearbeitet haben.
In allem habe ich euch gezeigt, daß man sich auf diese Weise abmühen und sich der Schwachen annehmen soll, in Erinnerung an die Worte Jesu, des Herrn, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als nehmen.
Nach diesen Worten kniete er nieder und betete mit ihnen allen.
Und alle brachen in lautes Weinen aus, fielen Paulus um den Hals und küßten ihn;
am meisten schmerzte sie sein Wort, sie würden ihn nicht mehr von Angesicht sehen. Dann begleiteten sie ihn zum Schiff.


Ps. 68(67),29-30.33-35a.35b-36c.


Biete auf, o Gott, deine Macht, die Gottesmacht, die du an uns erwiesen hast
Ihr Königreiche der Erde, singt für Gott, singt und spielt für den Herrn,
der dahinfährt über den Himmel, den uralten Himmel, der seine Stimme erhebt, seine machtvolle Stimme.
Preist Gottes Macht! Über Israel ragt seine Hoheit empor, seine Macht ragt bis zu den Wolken.

Gott in seinem Heiligtum ist voll Majestät, Israels Gott; seinem Volk verleiht er Stärke und Kraft. Gepriesen sei Gott.


Joh. 17,11b-19.


Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.
Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt.
Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.
Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehaßt, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin.
Ich bitte nicht, daß du sie aus der Welt nimmst, sondern daß du sie vor dem Bösen bewahrst.
Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.
Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.
Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.
Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.


„Damit sie eins sind wie wir“

Die Kirche trägt den Abdruck und das Bild Gottes, weil sie das gleiche tut
wie er... Gott hat durch seine unendliche Macht alle Dinge ins Dasein
gerufen, er umfasst, eint und begrenzt sie. In seiner Vorsehung bindet er
alle Wesen fest aneinander und an sich selbst.

Die heilige Kirche führt offensichtlich für uns die gleichen Wirkungen
herbei wie Gott, dessen Abbild sie ist. Zahlreich, fast unzählbar sind die
Männer, Frauen und Kinder in ihrer Verschiedenheit, unendlich
unterschiedlich durch Geburt, körperliche Merkmale, Nationalität und
Sprache, durch Lebensweise, Alter und Befähigung, durch Sitten,
Gewohnheiten und Wissen, durch Schicksal, Charakter und Beziehungen. Alle
aber werden in dieser Kirche geboren, und alle werden durch deren Wirken zu
einem neuen Leben wiedergeboren und vom Heiligen Geist neu geschaffen.

Allen hat die Kirche... eine einzige Form, einen einzigen göttlichen Namen
gegeben, nämlich zu Christus zu gehören und seinen Namen zu tragen. Allen
gibt sie auch eine einzigartige Seinsweise, welche es nicht erlaubt, die
unter ihnen bestehenden zahlreichen Unterschiede herauszustellen..., weil
in ihr alles eins wird. Durch die Kirche, durch ihre Glieder, ist absolut
niemand aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, weil jeder auf den anderen
zugeht und alle vereint sind durch das Wirken der unteilbaren Macht der
Gnade und des Glaubens. „Alle“, so steht geschrieben, „waren ein Herz und
eine Seele“ (Apg 4,32)...; ein einziger, aus so verschiedenen Gliedern
gebildeter Leib ist wirklich Christi würdig, der unser wahres Haupt ist
(Kol 1, 18). „In ihm“, sagt der Apostel Paulus, „gibt es nicht mehr Mann
oder Frau, Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, sondern sie alle sind
'einer' in Christus“ (Gal 3,28)... So ist also die heilige Kirche das
Abbild Gottes; denn sie stellt unter den Glaubenden die gleiche Einheit her
wie Gott.

Begeisterung!




Am nächsten Sonntag ist es wieder soweit: Wir feiern das Pfingstfest. Das deutsche Wort Pfingsten kommt aus dem Griechischen und bedeutet: der 50. Tag. Gemeint ist damit für die Juden der 50. Tag nach dem Passahfest, für die Christen der 50. Tag nach dem Osterfest.

Die frühe christliche Kirche hat die Auferstehung Jesu Christi und die Sendung des Heiligen Geistes in Zusammenhang gebracht und in diesem Sinne Pfingsten als Abschluss der 50-tägigen österlichen Freudenzeit gefeiert. Später entwickelte sich Pfingsten zu einem eigenständigen Fest, an dem wir der Ausgiessung des Heiligen Geistes und insofern auch des "Geburtstages der Kirche" gedenken und darum bitten, dass der Heilige Geist auch uns neu erfüllt.

Ausgiessung des Heiligen Geistes - wie kann das deutlich gemacht werden? Das hat sich auch einmal ein Pfarrer überlegt und darüber mit dem Sigrist das Gespräch gesucht. Der Sigrist meinte: "Ich nehme mir eine weisse Taube und wenn Du in Deiner Predigt sagst 'Der Heilige Geist soll erscheinen!', dann lasse ich den Vogel fliegen." Der Pfarrer war einverstanden. Am Pfingstsonntag predigte er also und kam zum Satz 'Der Heilige Geist soll erscheinen!'. Da kommt von hinten eine Stimme, die laut ruft: "Die Katze hat ihn gefressen!"

Ausgiessung des Heiligen Geistes: Meine Verdeutlichung dieses Geschehens sieht so aus. Zehn Tage nach der Auffahrt von Jesus habe seine Freundinnen und Freunde endlich begriffen, dass es nun an ihnen liegt, das, was Jesus sie gelehrt und für sie gemacht hat, unter die Menschen zu bringen. Das Zwanzigrappenstück war endlich gefallen, das Licht der Erkenntnis ist ihnen feuerhell aufgegangen, - und be-geist-ert machten sie sich auf den Weg in die weite Welt, um das Evangelium zu verkünden. Die Kirche kam zur Welt!

Dienstag, 7. Juni 2011

„Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen“




Lesungen des Tages

Apg. 20,17-27.


Von Milet aus schickte er jemand nach Ephesus und ließ die Ältesten der Gemeinde zu sich rufen.
Als sie bei ihm eingetroffen waren, sagte er: Ihr wißt, wie ich vom ersten Tag an, seit ich die Provinz Asien betreten habe, die ganze Zeit in eurer Mitte war
und wie ich dem Herrn in aller Demut diente unter Tränen und vielen Prüfungen, die ich durch die Nachstellungen der Juden erlitten habe,
wie ich nichts verschwiegen habe von dem, was heilsam ist. Ich habe es euch verkündigt und habe euch gelehrt, öffentlich und in den Häusern.
Ich habe Juden und Griechen beschworen, sich zu Gott zu bekehren und an Jesus Christus, unseren Herrn, zu glauben.
Nun ziehe ich, gebunden durch den Geist, nach Jerusalem, und ich weiß nicht, was dort mit mir geschehen wird.
Nur das bezeugt mir der Heilige Geist von Stadt zu Stadt, daß Fesseln und Drangsale auf mich warten.
Aber ich will mit keinem Wort mein Leben wichtig nehmen, wenn ich nur meinen Lauf vollende und den Dienst erfülle, der mir von Jesus, dem Herrn, übertragen wurde: das Evangelium von der Gnade Gottes zu bezeugen.
Nun aber weiß ich, daß ihr mich nicht mehr von Angesicht sehen werdet, ihr alle, zu denen ich gekommen bin und denen ich das Reich verkündet habe.
Darum bezeuge ich euch am heutigen Tag: Ich bin unschuldig, wenn einer von euch allen verlorengeht.
Denn ich habe mich der Pflicht nicht entzogen, euch den ganzen Willen Gottes zu verkünden.


Ps. 68(67),10-11.20-21.


Gott, du ließest Regen strömen in Fülle und erquicktest dein verschmachtendes Erbland.
Deine Geschöpfe finden dort Wohnung; Gott, in deiner Güte versorgst du den Armen.
Gepriesen sei der Herr, Tag für Tag! Gott trägt uns, er ist unsere Hilfe.
Gott ist ein Gott, der uns Rettung bringt, Gott, der Herr, führt uns heraus aus dem Tod.



Joh. 17,1-11a.


Dies sagte Jesus. Und er erhob seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht.
Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.
Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.
Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast.
Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war.
Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten.
Sie haben jetzt erkannt, daß alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.
Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen, und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, daß ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, daß du mich gesandt hast.
Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir.
Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht.
Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.

„Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen“

Meine Seele dürstete danach, das Wesen und den Ursprung der Philosophie zu
erkennen... Das Bedürfnis, die immateriellen Dinge zu erkennen, nahm mich
gänzlich in Beschlag. Die Betrachtung der Ideen verlieh meinem Denken
Flügel. Ich bildete mir ein, innerhalb kurzer Zeit ein Weiser geworden zu
sein, und war so einfältig zu hoffen, ich würde umgehend Gott sehen – denn
das ist das Ziel der platonischen Philosophie. In dieser geistigen
Verfassung... war ich unterwegs zu einem abgelegenen Ort am Meer, wo ich
damit rechnen konnte allein zu sein, als sich ein alter Mann mir
anschloss... – Was führt dich hierher? fragte er. – Ich mag diese Art
Spazierweg,... er ist bestens geeignet, philosophischen Gedanken
nachzuhängen... – Philosophie macht also glücklich? fragte er. – Sicher,
antwortete ich, und nur sie... – Was also nennst du Gott? – Was immer in
sich und mit sich übereinstimmt und allem Übrigen das Sein schenkt: das ist
Gott. – Wie können sich die Philosophen eine zutreffende Vorstellung von
Gott machen, da sie ihn doch nicht kennen, ihn noch nie gesehen oder gehört
haben? – Aber, antwortete ich, die Göttlichkeit ist für unsere Augen nicht
erkennbar wie es die anderen Wesen sind; sie ist allein dem Verstand
zugänglich, wie Platon sagt; und ich stimme da mit ihm überein... – Da
hat es, sagte der Alte, schon vor langer Zeit Menschen gegeben, die früher
lebten als alle diese sogenannten Philosophen: es waren glückliche,
gerechte Menschen, Freunde Gottes. Sie sprachen unter Inspiration des
Heiligen Geistes und sagten ein Kommen voraus, das nun Wirklichkeit
geworden ist: sie heißen Propheten. Sie allein haben die Wahrheit gesehen
und haben sie den Menschen verkündet... Wer sie liest, kann großen Gewinn
daraus ziehen, sofern er daran glaubt... Sie waren treue Zeugen der
Wahrheit... Sie haben den Schöpfer des Alls gepriesen, Gottvater, und haben
den angekündigt, den er gesandt hat, seinen Sohn Christus... Und du bete
vor allem darum, dass dir die Pforten des Lichts geöffnet werden, denn
niemand kann sehen oder verstehen, wenn ihm Gott oder sein Christus nicht
das Verstehen schenken... Ich habe den Alten nicht wieder gesehen. Aber
plötzlich ist in meiner Seele ein Feuer entfacht worden; die Liebe zu den
Propheten hat mich erfasst, zu diesen Freunden Christi. Im Nachdenken über
die Worte des Alten erkannte ich, was die einzige zuverlässige und Gewinn
bringende Philosophie ist.

Vertrauen in Unvollkommene




Eine Umfrage hat es wieder gezeigt: Das Vertrauen in Priester und Pfarrer ist um 12% gefallen. Am meisten vertrauen wir Piloten, Ärzten, Krankenschwestern. Ja, sogar Taxifahrer, ich habe nichts gegen sie, geniessen mehr Vertrauen als die Vertreter der Kirche!

Das färbt natürlich negativ an auf Kirchen und Kirchgemeinden und Pfarreien. Eine darob besorgte Frau ist bei mir im Gespräch und fragt: "Kennen Sie denn keine vollkommene Gemeinde? Ich würde so gern dort Mitglied werden."
"Doch, ich kann mir eine solche Gemeinde vorstellen, aber da wird es ein Problem geben."
"Ich verstehe nicht, was Sie meinen", sagt die Frau. "Eine vollkommene Gemeinde kann doch kein Problem haben."
"Oh doch", sage ich, "wenn Sie und ich dort Mitglied werden, ist die Gemeinde nicht mehr vollkommen!"

Wir sind nicht vollkommen. Es "menschelt" überall und ganz besonders dort, wo der Mensch, Gottes Kind, im Zentrum sein sollte. Wir können nur Vorletztes schaffen. Das Letzte, das Vollkommene ist allein Gottes Werk.

Und natürlich vertraue ich einem Piloten. Es bleibt mit im Flugzeug auch gar nichts anderes übrig. Und natürlich vertraue ich dem Arzt, der Krankenschwester, wenn ich im Spital ihre Hilfe brauche. Eine andere Möglichkeit habe ich nicht. Und natürlich vertraue ich dem Taxifahrer, wenn ich in seinem Auto sitze. Und ich lebe davon, dass alle diese Menschen mein Vertrauen nicht missbrauchen. Aber würde ich mit ihnen meine Leben, meine Probleme besprechen? Vielleicht wenn ich mit ihnen freundschaftlich verbunden bin und sie dafür Zeit haben.

Gerade weil wir nicht vollkommen sind und nur Vorletztes schaffen und erreichen können, bin ich auf mein Gefühl von Vertrauen in andere Unvollkommene angewiesen.

Montag, 6. Juni 2011

„Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt“



Lesungen des Tages

Apg. 19,1-8.


Während Apollos sich in Korinth aufhielt, durchwanderte Paulus das Hochland und kam nach Ephesus hinab.
Er traf einige Jünger und fragte sie: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie antworteten ihm: Wir haben noch nicht einmal gehört, daß es einen Heiligen Geist gibt.
Da fragte er: Mit welcher Taufe seid ihr denn getauft worden? Sie antworteten: Mit der Taufe des Johannes.
Paulus sagte: Johannes hat mit der Taufe der Umkehr getauft und das Volk gelehrt, sie sollten an den glauben, der nach ihm komme: an Jesus.
Als sie das hörten, ließen sie sich auf den Namen Jesu, des Herrn, taufen.
Paulus legte ihnen die Hände auf, und der Heilige Geist kam auf sie herab; sie redeten in Zungen und weissagten.
Es waren im ganzen ungefähr zwölf Männer.
Er ging in die Synagoge und lehrte drei Monate lang freimütig und suchte sie vom Reich Gottes zu überzeugen.


Ps. 68(67),2-3.4-5ac.6-7ab.


Gott steht auf, seine Feinde zerstieben; die ihn hassen, fliehen vor seinem Angesicht.
Sie verfliegen, wie Rauch verfliegt; wie Wachs am Feuer zerfließt, so vergehen die Frevler vor Gottes Angesicht.
Die Gerechten aber freuen sich und jubeln vor Gott; sie jauchzen in heller Freude.
Singt für Gott, spielt seinem Namen; jubelt ihm zu, ihm, der auf den Wolken einherfährt! Preist seinen Namen! Freut euch vor seinem Angesicht!

Ein Vater der Waisen, ein Anwalt der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung.
Gott bringt die Verlassenen heim, führt die Gefangenen hinaus in das Glück; doch die Empörer müssen wohnen im dürren Land.


Joh. 16,29-33.


Da sagten seine Jünger: Jetzt redest du offen und sprichst nicht mehr in Gleichnissen.
Jetzt wissen wir, daß du alles weißt und von niemand gefragt zu werden brauchst. Darum glauben wir, daß du von Gott gekommen bist.
Jesus erwiderte ihnen: Glaubt ihr jetzt?
Die Stunde kommt, und sie ist schon da, in der ihr versprengt werdet, jeder in sein Haus, und mich werdet ihr allein lassen. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir.
Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.

„Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt“

„Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“ (Joh 14,27).
Aber was nützt es uns zu wissen, dass dieser Friede gut ist, wenn wir nicht
über ihn wachen? Was sehr gut ist, ist für gewöhnlich auch sehr
zerbrechlich, und wertvolles Gut erfordert größere Sorgfalt und
Wachsamkeit. Sehr brüchig ist doch der Friede, der durch ein leichtfertiges
Wort oder eine geringfügige Verletzung, die wir einem Bruder zufügen,
verloren gehen kann. Nun haben die Menschen an nichts mehr Gefallen als
Unangebrachtes zu reden, sich mit Dingen zu beschäftigen, die sie nichts
angehen, eitle Plaudereien zu führen und Abwesende zu kritisieren. Wer
nicht sagen kann: „Gott, der Herr, gab mir die Zunge eines Jüngers, damit
ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort“ (Jes
50,4), der lasse den Mund zu, oder, falls er ein Wort sagt, dann soll es
ein Wort des Friedens sein... „Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes“
(Röm 13,10). Sie möge uns unser gütiger Herr und Retter in seiner Huld
einflößen, er, der Urheber des Friedens und der Gott der Liebe.