Mittwoch, 13. Juli 2011

„All das hast du den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart“




Lesungen des Tages

Ex. 3,1-6.9-12.


Mose weidete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb.
Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht.
Mose sagte: Ich will dorthin gehen und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen. Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht?
Als der Herr sah, daß Mose näher kam, um sich das anzusehen, rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich.
Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.
Dann fuhr er fort: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.
Jetzt ist die laute Klage der Israeliten zu mir gedrungen, und ich habe auch gesehen, wie die Ägypter sie unterdrücken.
Und jetzt geh! Ich sende dich zum Pharao. Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus!
Mose antwortete Gott: Wer bin ich, daß ich zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten herausführen könnte?
Gott aber sagte: Ich bin mit dir; ich habe dich gesandt, und als Zeichen dafür soll dir dienen: Wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr Gott an diesem Berg verehren.


Ps. 103(102),1-2.3-4.6-7.


[Von David.] Lobe den Herrn, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen!
Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat:
der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt,
der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt,

Der Herr vollbringt Taten des Heiles, Recht verschafft er allen Bedrängten.
Er hat Mose seine Wege kundgetan, den Kindern Israels seine Werke.


Mt. 11,25-27.


In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.
Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.


„All das hast du den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart“

Wenn ihr wüsstet, meine Töchter, wie Gott sich freut beim Anblick eines
armen Mädchens vom Land, einer „Nonne der Nächstenliebe“, die sich ihm
liebevoll zuwendet! Oh, dann würdet ihr euch auf den Weg machen mit einer
größeren Zuversicht, als ich es für ratsam halte. Wenn ihr wüsstet, wie
viel Wissen ihr daraus schöpft, wie viel Liebe und Sanftmut euch zuteil
wird! Alles, meine lieben Töchter, alles werdet ihr vorfinden, denn dies
ist Quelle und Brunnen allen Wissens, [aller Erkenntnis]. Woher kommt es,
dass ungebildete Menschen so trefflich über Gott sprechen und die Mysterien
intelligenter auslegen, als es ein Gelehrter könnte? Ein Gelehrter, der
nichts hat als seine Lehre, spricht über Gott doch nur so, wie es ihm seine
Lehre eben beigebracht hat. Ein Mensch des Gebets aber spricht ganz anders
von Gott. Und was die beiden unterscheidet, meine Töchter: der eine spricht
aus einem simplen erworbenen Wissen heraus, der andere aus einem Wissen,
das ganz durchdrungen ist von Liebe. So kommt es, dass bei einem
Aufeinandertreffen der beiden der Gelehrte keineswegs die größere
Sachkenntnis besitzt. Und er hat den Mund zu halten vor einem Mann des
Gebets, der doch ganz anders von Gott spricht, als er es könnte.

Kunigunde und die Bescheidenheit




Heute feiert die Kirche das Fest des heiligen Heinrich II. und der heiligen
Kunigunde. Beim Lesen der Kurzbiografie kam mir spontan in den Sinn: "Hinter
jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau!"
Natürlich ist umgekehrt auch gefahren "Hinter jeder erfolgreichen Frau steht
ein starker Mann". Eine geschlechterneutrale, der heutigen Zeit angepasste
Form dieses Satzes, könnte in etwa lauten: "Gute Beziehungen können uns
Kraft geben und den Rücken stärken."
In Fall dieses Königspaar wurden beide, der Mann und die Frau
heiliggesprochen – erfreulich!
Fasziniert hat mich die heilige Kunigunde dank ihrer Bescheidenheit. Nach
dem Tode ihres Gatten führte sie bis zur Wahl des neuen Königs die
Reichsgeschäfte weiter. Sie übergab dann die Geschäfte und zog sich zurück.
Sie lebte, so heisst es, ein bescheidenes Leben im Kloster ohne alle
Privilegien.
Wie schwer fällt es uns doch oft, abzugeben, etwas in andere, fremde Hände
zu übergeben, sei es im Job oder in der Familie. Kinder loslassen und ihren
eigenen Weg machen lassen, auch wenn man persönlich andere Vorstellungen
hat, wie dieser Weg aussehen könnte, ist nicht einfach. Im Job etwas
abgeben, delegieren oder gar bei der Pension loslassen und geschehen lassen;
wie tut das oft weh.
Kunigunde kann uns hier Vorbild sein. Loslassen öffnet auch neue Türen,
eröffnet neue Möglichkeiten. Kunigunde ist ins Kloster eingetreten. Für uns
kann es heissen, neue Familienbande zu knüpfen, neue Lebensabschnitte in
Angriff nehmen, ein Kapitel abzuschliessen und neues zu ermöglichen.
Hilfe können wir auch bei Gott finden. Denn bei allem Loslassen dürfen wir
darauf vertrauen, dass nichts verloren geht. Bei Gott ist aufgehoben, was
wir loslassen. So dürfen wir das Nötige tun und vieles loslassen, vieles in
die Hände Gottes legen.

Dienstag, 12. Juli 2011

Sich bekehren und umkehren zum Herrn




Lesungen des Tages

Ex. 2,1-15a.


Ein Mann aus einer levitischen Familie ging hin und nahm eine Frau aus dem gleichen Stamm.
Sie wurde schwanger und gebar einen Sohn. Weil sie sah, daß es ein schönes Kind war, verbarg sie es drei Monate lang.
Als sie es nicht mehr verborgen halten konnte, nahm sie ein Binsenkästchen, dichtete es mit Pech und Teer ab, legte den Knaben hinein und setzte ihn am Nilufer im Schilf aus.
Seine Schwester blieb in der Nähe stehen, um zu sehen, was mit ihm geschehen würde.
Die Tochter des Pharao kam herab, um im Nil zu baden. Ihre Dienerinnen gingen unterdessen am Nilufer auf und ab. Auf einmal sah sie im Schilf das Kästchen und ließ es durch ihre Magd holen.
Als sie es öffnete und hineinsah, lag ein weinendes Kind darin. Sie bekam Mitleid mit ihm, und sie sagte: Das ist ein Hebräerkind.
Da sagte seine Schwester zur Tochter des Pharao: Soll ich zu den Hebräerinnen gehen und dir eine Amme rufen, damit sie dir das Kind stillt?
Die Tochter des Pharao antwortete ihr: Ja, geh! Das Mädchen ging und rief die Mutter des Knaben herbei.
Die Tochter des Pharao sagte zu ihr: Nimm das Kind mit, und still es mir! Ich werde dich dafür entlohnen. Die Frau nahm das Kind zu sich und stillte es.
Als der Knabe größer geworden war, brachte sie ihn der Tochter des Pharao. Diese nahm ihn als Sohn an, nannte ihn Mose und sagte: Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen.
Die Jahre vergingen, und Mose wuchs heran. Eines Tages ging er zu seinen Brüdern hinaus und schaute ihnen bei der Fronarbeit zu. Da sah er, wie ein Ägypter einen Hebräer schlug, einen seiner Stammesbrüder.
Mose sah sich nach allen Seiten um, und als er sah, daß sonst niemand da war, erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn im Sand.
Als er am nächsten Tag wieder hinausging, sah er zwei Hebräer miteinander streiten. Er sagte zu dem, der im Unrecht war: Warum schlägst du deinen Stammesgenossen?
Der Mann erwiderte: Wer hat dich zum Aufseher und Schiedsrichter über uns bestellt? Meinst du, du könntest mich umbringen, wie du den Ägypter umgebracht hast? Da bekam Mose Angst und sagte: Die Sache ist also bekannt geworden.
Der Pharao hörte von diesem Vorfall und wollte Mose töten; Mose aber entkam ihm. Er wollte in Midian bleiben und setzte sich an einen Brunnen.


Ps. 69(68),3.14.30-31.33-34.


Ich bin in tiefem Schlamm versunken und habe keinen Halt mehr; ich geriet in tiefes Wasser, die Strömung reißt mich fort.
Ich aber bete zu dir, Herr, zur Zeit der Gnade. Erhöre mich in deiner großen Huld, Gott, hilf mir in deiner Treue!
Ich aber bin elend und voller Schmerzen; doch deine Hilfe, o Gott, wird mich erhöhen.
Ich will den Namen Gottes rühmen im Lied, in meinem Danklied ihn preisen.

Schaut her, ihr Gebeugten, und freut euch; ihr, die ihr Gott sucht: euer Herz lebe auf!
Denn der Herr hört auf die Armen, er verachtet die Gefangenen nicht.


Mt. 11,20-24.


Dann begann er den Städten, in denen er die meisten Wunder getan hatte, Vorwürfe zu machen, weil sie sich nicht bekehrt hatten:
Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn einst in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind - man hätte dort in Sack und Asche Buße getan.
Ja, das sage ich euch: Tyrus und Sidon wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie euch.
Und du, Kafarnaum, meinst du etwa, du wirst bis zum Himmel erhoben? Nein, in die Unterwelt wirst du hinabgeworfen. Wenn in Sodom die Wunder geschehen wären, die bei dir geschehen sind, dann stünde es noch heute.
Ja, das sage ich euch: Dem Gebiet von Sodom wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie dir.


Sich bekehren und umkehren zum Herrn

Wie der verlorene Sohn will ich aufbrechen und zu meinem Vater gehen (Lk
15,18), und er wird mich aufnehmen. Wie er es gemacht hat, so will ich es
tun: sollte er mich denn nicht erhören? ... Durch die Sünde bin ich nämlich
gestorben wie an einer Krankheit. Hol mich heraus aus meinem Verderben, und
ich werde deinen Namen preisen! Herr des Himmels und der Erde, ich bitte
dich, komm mir zur Hilfe und zeige mir deinen Weg, damit ich auf dich
zugehen kann. Führe mich zu dir, Sohn des besten Vaters, und schenke mir
deine Barmherzigkeit in Fülle. Ich gehe zu dir und werde satt werden und
jubeln. Mahle mir jetzt, in der Stunde der Erschöpfung, den Weizen des
Lebens.

Ich habe mich auf die Suche nach dir gemacht, und wie ein Straßenräuber
hat mich der Böse erspäht (vgl. Lk 10,30). An die Vergnügungen der bösen
Welt hat er mich gefesselt und gekettet; in den Kerker seiner Lüste hat er
mich geworfen und mir die Türe vor der Nase zugeschlagen. Und es gibt
niemanden, der mich befreit, damit ich mich auf die Suche machen kann nach
dir, guter Herr... Dir möchte ich so gerne gehören und mit dir gehen, Herr.
Über deine Weisung sinne ich nach bei Tag und bei Nacht (Ps 1,2). Gib mir,
wonach mich verlangt, und nimm meine Gebete an, du Barmherziger. Mach, o
Herr, die Hoffnung deines Dieners nicht zunichte, denn er wartet auf
dich.

Wann ist Weihnachten?




Wundern Sie sich, dass es mitten in der heissesten Zeit jemandem in den Sinn
kommt, an Weihnachten zu denken?
In Sambia wird immer in der heissesten Zeit Weihnachten gefeiert. Sieben
Weihnachtsfeste habe ich in Sambia gefeiert, darum liegen mir mitten im
Sommer Weihnachtslieder auf den Lippen. Ich kann gar nicht anders, als im
Sommer an Weihnachten denken. Zudem habe ich vor einer Woche eine Krippe
geschenkt erhalten, eine Krippe mit einem schwarzen Jesuskind.
Das wirft für mich die Frage auf: Wann ist Weihnachten? Wann ist Weihnachten
für Sie? Wenn Sie sich besonders freuen? Wenn Sie Geschenke erhalten? Wenn
es schneit und kalt ist? Wenn die Tage kurz sind und die Städte und Dörfer
mit Weihnachtsbeleuchtungen geschmückt sind? Wenn es am Abend zu Hause
gemütlich ist mit Kerzenlicht und vielleicht einem Feuer im Cheminée?
Weihnachten feiern wir am 25. Dezember, immer, überall, unverrückbar.
Weihnachten ist Menschwerdung Gottes. Und Menschwerdung Gottes, wann ist
das? Wie sieht das aus? Wie spürt man das?
Für mich ist immer Weihnachten, wenn es gelingt, ganz Mensch, ganz Mitmensch
zu sein. Wenn wir Gottes Gegenwart spüren in und durch Menschen um uns. Dann
ist Gott an keine Gesichtsfarbe oder Haarfarbe gebunden. Dann ist Gott
Mensch. Dann sind wir als Christinnen und Christen zu erkennen.
Dazu braucht es keine überragenden, Aufsehen erregende Taten; es genügen
Zivilcourage, Ehrlichkeit, Einsatz für mehr Gerechtigkeit. Es reicht, mit
offenen Augen und Ohren, und vor allem mit offenem Herzen durch die Welt zu
gehen, mit-menschlich, christlich zu handeln.
Wir wünschen Ihnen Weihnachtsmomente, Menschwerdungs-Erlebnisse mitten im
Hochsommer.

Montag, 11. Juli 2011

Hl. Benedikt, Patron Europas




Lesungen des Tages

Ex. 1,8-14.22.


In Ägypten kam ein neuer König an die Macht, der Josef nicht gekannt hatte.
Er sagte zu seinem Volk: Seht nur, das Volk der Israeliten ist größer und stärker als wir.
Gebt acht! Wir müssen überlegen, was wir gegen sie tun können, damit sie sich nicht weiter vermehren. Wenn ein Krieg ausbricht, können sie sich unseren Feinden anschließen, gegen uns kämpfen und sich des Landes bemächtigen.
Da setzte man Fronvögte über sie ein, um sie durch schwere Arbeit unter Druck zu setzen. Sie mußten für den Pharao die Städte Pitom und Ramses als Vorratslager bauen.
Je mehr man sie aber unter Druck hielt, um so stärker vermehrten sie sich und breiteten sie sich aus, so daß die Ägypter vor ihnen das Grauen packte.
Daher gingen sie hart gegen die Israeliten vor und machten sie zu Sklaven.
Sie machten ihnen das Leben schwer durch harte Arbeit mit Lehm und Ziegeln und durch alle möglichen Arbeiten auf den Feldern. So wurden die Israeliten zu harter Sklavenarbeit gezwungen.
Daher gab der Pharao seinem ganzen Volk den Befehl: Alle Knaben, die den Hebräern geboren werden, werft in den Nil! Die Mädchen dürft ihr alle am Leben lassen.


Ps. 124(123),1-3.4-6.7-8.


[Ein Wallfahrtslied Davids.] Hätte sich nicht der Herr für uns eingesetzt - so soll Israel sagen -,
hätte sich nicht der Herr für uns eingesetzt, als sich gegen uns Menschen erhoben,
dann hätten sie uns lebendig verschlungen, als gegen uns ihr Zorn entbrannt war.
Dann hätten die Wasser uns weggespült, hätte sich über uns ein Wildbach ergossen.

Dann hätten sich über uns die Wasser ergossen, die wilden und wogenden Wasser.
Gelobt sei der Herr, der uns nicht ihren Zähnen als Beute überließ.
Unsre Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen; das Netz ist zerrissen, und wir sind frei.
Unsre Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.



Mt. 10,34-42.11,1.


Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert.
Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter;
und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein.
Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig.
Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig.
Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.
Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.
Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten.
Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist - amen, ich sage euch: Er wird gewiß nicht um seinen Lohn kommen.
Als Jesus die Unterweisung der zwölf Jünger beendet hatte, zog er weiter, um in den Städten zu lehren und zu predigen.


Hl. Benedikt, Patron Europas

Heute möchte ich über den hl. Benedikt, den Begründer des abendländischen
Mönchtums und Schutzpatron meines Pontifikats, sprechen. Ich beginne mit
einem Wort des hl. Gregor des Großen, der über den hl. Benedikt schreibt:
»Nicht nur die zahlreichen Wunder des Gottesmannes wurden in der Welt
berühmt, sondern auch das Wort seiner Lehre strahlte hell auf«. Diese Worte
schrieb der große Papst im Jahr 592; der heilige Mönch war kaum fünfzig
Jahre zuvor gestorben und noch in der Erinnerung der Menschen und vor allem
in dem von ihm gegründeten blühenden Orden lebendig. Der hl. Benedikt von
Nursia hat durch sein Leben und Werk einen grundlegenden Einfluß auf die
Entwicklung der europäischen Zivilisation und Kultur ausgeübt. An der Wende
vom 5. zum 6. Jahrhundert wurde die Welt von einer schrecklichen Krise der
Werte und Institutionen erschüttert, die durch den Zusammenbruch des
Römischen Reiches, das Eindringen der neuen Völker und den Verfall der
Sitten verursacht worden war. Mit der Vorstellung des hl. Benedikt als
»leuchtenden Stern« wollte Gregor in dieser furchtbaren Situation gerade
hier in dieser Stadt Rom den Ausweg aus der »dunklen Nacht der Geschichte«
zeigen. In der Tat erwiesen sich das Werk des Heiligen und in besonderer
Weise seine »Regel« als Überbringer eines echten geistlichen Sauerteigs,
der im Lauf der Jahrhunderte weit über die Grenzen seiner Heimat und seiner
Zeit hinaus das Antlitz Europas veränderte, indem er nach dem Zerfall der
politischen Einheit, die durch das Römische Reich geschaffen worden war,
eine neue geistliche und kulturelle Einheit hervorbrachte, nämlich jene des
christlichen Glaubens, den die Völker des Kontinents teilten. Gerade so
entstand die Wirklichkeit, die wir »Europa« nennen.

Wir sind alle Künstler!




Ich habe noch keinen Menschen gesehen, der nicht eine besondere Gabe, seine besonderen Fähigkeiten hat. Manchmal ist es nicht offensichtlich. Manchmal brauche ich Zeit, bis ich sie entdecke. Aber nichts entdeckt, habe ich noch bei keinem Menschen.

Eindrücklich bleibt mir das jedes Mal haften bei einem Obdachlosen, den ich nun schon seit einigen Jahren kenne. Er sagt von sich: "Ich bin Künstler!" Er arbeitet nichts, geht seiner Ruhe nach und ist ein sehr unauffälliger Zeitgenosse. Lediglich wenn sein Ernährungsmanagement kriselt, sucht er mich auf und bittet um Unterstützung. Das kommt aber recht selten vor. Sonst schafft er es sehr gut, von der Hand in den Mund zu leben. Das ist seine besondere Fähigkeit. Dafür hat er meinen ganzen Respekt. Er ist wirklich ein Künstler!

Ich weiss nicht, wo ich dieses Gespräch aufgelesen habe, aber es geht so:
"Was sind sie von Beruf?"
"Künstler."
"Was für ein Künstler?"
"Regenschirmmacher."
"Das ist doch keine Kunst!"
"So? Dann machen Sie mal einen Regenschirm!"

Wenn Sie also wieder einmal wissen wollen, was Sie auszeichnet, was Sie zur Künstlerin bzw. zum Künstler macht, dann suchen Sie das Gespräch mit jemandem, der Ihnen liebevoll verbunden ist. Er oder sie wird es Ihnen wieder einmal vor Augen führen.

Und übrigens: Der liebe Gott ist davon überzeugt, dass wir alle Künstlerinnen oder Künstler sind! Er hat uns schliesslich diese Gaben geschenkt.

Sonntag, 10. Juli 2011

"Selig seid ihr, denn eure Augen sehen und eure Ohren hören"




Lesungen des Tages

Jes. 55,10-11.


Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen,
so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.


Ps. 65(64),10abcd.10e-11.12-13.14.


Du sorgst für das Land und tränkst es; du überschüttest es mit Reichtum. Der Bach Gottes ist reichlich gefüllt, du schaffst ihnen Korn; so ordnest du alles.
Du tränkst die Furchen, ebnest die Schollen, machst sie weich durch Regen, segnest ihre Gewächse.
Du krönst das Jahr mit deiner Güte, deinen Spuren folgt Überfluß.
In der Steppe prangen die Auen, die Höhen umgürten sich mit Jubel.

Die Weiden schmücken sich mit Herden, die Täler hüllen sich in Korn. Sie jauchzen und singen.


Röm. 8,18-23.


Ich bin überzeugt, daß die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.
Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes.
Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung:
Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.
Denn wir wissen, daß die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.
Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem Herzen und warten darauf, daß wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden.


Mt. 13,1-23.


An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees.
Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich; die Leute aber standen am Ufer.
Und er sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen. Er sagte: Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen.
Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen sie.
Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war;
als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte.
Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen, und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat.
Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.
Wer Ohren hat, der höre!
Da kamen die Jünger zu ihm und sagten: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen?
Er antwortete: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu erkennen; ihnen aber ist es nicht gegeben.
Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluß haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.
Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen, weil sie hören und doch nicht hören und nichts verstehen.
An ihnen erfüllt sich die Weissagung Jesajas: Hören sollt ihr, hören, aber nicht verstehen; sehen sollt ihr, sehen, aber nicht erkennen.
Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden, und mit ihren Ohren hören sie nur schwer, und ihre Augen halten sie geschlossen, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihren Ohren nicht hören, damit sie mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen, damit sie sich nicht bekehren und ich sie nicht heile.
Ihr aber seid selig, denn eure Augen sehen und eure Ohren hören.
Amen, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.
Hört also, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet.
Immer wenn ein Mensch das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt alles weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; hier ist der Samen auf den Weg gefallen.
Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt,
aber keine Wurzeln hat, sondern unbeständig ist; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er zu Fall.
In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort zwar hört, aber dann ersticken es die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum, und es bringt keine Frucht.
Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt dann Frucht, hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.


"Selig seid ihr, denn eure Augen sehen und eure Ohren hören"

Ein ausgerissener Baum, selbst einer, der direkt über der Wurzel
abgeschnitten wurde und dann wieder gepflanzt wurde, – zum Beispiel die
Weide – treibt wieder aus und blüht von neuem; und ein Mensch, der
umgehauen wurde, soll nicht wieder aufblühen? Die abgeernteten Aussaaten
ruhen, schlafen in den Scheunen und erwachen im Frühling zu neuem Leben;
und der abgeerntete Mensch, der in die Scheunen des Todes geworfen wurde,
soll nicht wieder zum Leben erwachen? Eine Knospe am Weinstock, ein
abgeschnittener und umgepfropfter Zweig, sie erwachen wieder zum Leben und
tragen Früchte; und der Mensch, für den alles erschaffen wurde, soll sich
nicht wieder aufrichten können, wenn er gefallen ist?

Schaut auch das genau an, was um euch herum geschieht. Betrachtet das Bild
dieses ausgedehnten Universums. Ich säe Weizen aus oder irgendein anderes
Korn; es fällt, es vergeht und kann dem Menschen nicht mehr zur Nahrung
dienen. Doch aus seinem Verfall wird es neu geboren, erhebt sich,
vervielfacht es sich. Ich habe nur ein einziges Korn gesät und ernte davon
zwanzig, dreißig oder mehr. Doch für wen wurde es erschaffen? Etwa nicht zu
unserem Gebrauch? Nicht für sich selbst wurden diese Saaten aus dem Nichts
erschaffen. Das also, was für uns erschaffen wurde, stirbt und wird wieder
geboren, und wir, für die dieses Wunder sich täglich vollzieht, wir sollten
von dieser Wohltat ausgeschlossen sein? Wie kann man glauben, dass es für
uns keine Auferstehung von den Toten gibt?

Samstag, 9. Juli 2011

"Was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von den Dächern"




Lesungen des Tages

Gen. 49,29-32.50,15-26a.


Er trug ihnen ferner auf und sagte zu ihnen: Ich werde mit meinen Vorfahren vereint. Begrabt mich bei meinen Vätern in der Höhle auf dem Grundstück des Hetiters Efron,
in der Höhle auf dem Grundstück von Machpela bei Mamre in Kanaan. Das Grundstück hatte Abraham vom Hetiter Efron als eigene Grabstätte gekauft.
Dort hat man Abraham und seine Frau Sara begraben; dort hat man Isaak und seine Frau Rebekka begraben; dort habe ich Lea begraben,
auf dem Grundstück, das samt der Höhle darauf von den Hetitern in unseren Besitz übergegangen ist.
Als Josefs Brüder sahen, daß ihr Vater tot war, sagten sie: Wenn sich Josef nur nicht feindselig gegen uns stellt und uns alles Böse vergilt, das wir ihm getan haben.
Deshalb ließen sie Josef wissen: Dein Vater hat uns, bevor er starb, aufgetragen:
So sagt zu Josef: Vergib doch deinen Brüdern ihre Untat und Sünde, denn Schlimmes haben sie dir angetan. Nun also vergib doch die Untat der Knechte des Gottes deines Vaters! Als man ihm diese Worte überbrachte, mußte Josef weinen.
Seine Brüder gingen dann auch selbst hin, fielen vor ihm nieder und sagten: Hier sind wir als deine Sklaven.
Josef aber antwortete ihnen: Fürchtet euch nicht! Stehe ich denn an Gottes Stelle?
Ihr habt Böses gegen mich im Sinne gehabt, Gott aber hatte dabei Gutes im Sinn, um zu erreichen, was heute geschieht: viel Volk am Leben zu erhalten.
Nun also fürchtet euch nicht! Ich will für euch und eure Kinder sorgen. So tröstete er sie und redete ihnen freundlich zu.
Josef blieb in Ägypten, er und das Haus seines Vaters. Josef wurde hundertzehn Jahre alt.
Er sah noch Efraims Söhne und Enkel. Auch die Söhne Machirs, des Sohnes Manasses, kamen auf Josefs Knien zur Welt.
Dann sprach Josef zu seinen Brüdern: Ich muß sterben. Gott wird sich euer annehmen, er wird euch aus diesem Land heraus und in jenes Land hinaufführen, das er Abraham, Isaak und Jakob mit einem Eid zugesichert hat.
Josef ließ die Söhne Israels schwören: Wenn Gott sich euer annimmt, dann nehmt meine Gebeine von hier mit hinauf!
Josef starb im Alter von hundertzehn Jahren. Man balsamierte ihn ein und legte ihn in Ägypten in einen Sarg.


Ps. 105(104),1-2.3-4.6-7.


Dankt dem Herrn! Ruft seinen Namen an! Macht unter den Völkern seine Taten bekannt!
Singt ihm und spielt ihm, sinnt nach über all seine Wunder!
Rühmt euch seines heiligen Namens! Alle, die den Herrn suchen, sollen sich von Herzen freuen.
Fragt nach dem Herrn und seiner Macht; sucht sein Antlitz allezeit!

Bedenkt es, ihr Nachkommen seines Knechtes Abraham, ihr Kinder Jakobs, die er erwählt hat.
Er, der Herr, ist unser Gott. Seine Herrschaft umgreift die Erde.


Mt. 10,24-33.


Ein Jünger steht nicht über seinem Meister und ein Sklave nicht über seinem Herrn.
Der Jünger muß sich damit begnügen, daß es ihm geht wie seinem Meister, und der Sklave, daß es ihm geht wie seinem Herrn. Wenn man schon den Herrn des Hauses Beelzebul nennt, dann erst recht seine Hausgenossen.
Darum fürchtet euch nicht vor ihnen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.
Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet am hellen Tag, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von den Dächern.
Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.
Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters.
Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.
Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.
Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen.
Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.


"Was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von den Dächern"

Ich habe diese Arbeit nicht von mir aus begonnen, sondern Christus, der
Herr, war es, der mir aufgetragen hat, den Rest meiner Tage bei den
irischen Heiden zu verbringen – wenn der Herr es so will und mich vor
jeglichem schlechten Weg bewahrt… Denn ich habe mein Vertrauen nicht in
mich gesetzt, „solange ich in diesem sterblichen Leib bin“ (vgl. 2 Petr
1,13; Röm 7,24)… Ich habe kein vollkommenes Leben geführt, wie andere
Gläubige, ich bekenne es vor meinem Herrn und erröte nicht in seiner
Gegenwart. Denn ich lüge nicht: seit ich ihn in meiner Jugend kennengelernt
habe, ist die Liebe zu Gott in mir gewachsen, in gleicher Weise auch die
Gottesfurcht, und bis zum gegenwärtigen Augenblick „habe ich den Glauben
bewahrt“ (vgl. 2 Tim 4,7), durch die Gnade des Herrn.Möge mich doch
auslachen und beschimpfen, wer will; ich werde nicht schweigen und „die
Zeichen und Wunder“ (Dtn 6,27) nicht verbergen, die der Herr, der alle
Dinge kennt, mir gezeigt hat, lange Jahre bevor sie sich erfüllt hatten.
Deshalb schon müsste ich ununterbrochen Gott Dank sagen, der mir meine
Dummheit und Nachlässigkeit so oft verziehen hat und nicht ein einziges Mal
über mich zornig wurde, der ich zum Bischof eingesetzt bin. Der Herr hatte
Mitleid mit mir und „erwies Tausenden seine Huld“ (Ex 20,6), da er sah,
dass ich bereit stand… Und wirklich stellten sich zahlreiche Menschen gegen
diese Sendung; sie sprachen hinter meinem Rücken und sagten: „Warum begibt
er sich in ein gefährliches Unterfangen bei Ausländern, die Gott nicht
kennen?“ Und sie sprachen nicht aus Hinterhältigkeit so; ich selbst kann
bezeugen: Es war aufgrund meines bäuerlichen Auftretens, dass sie nicht
verstehen konnten, warum ich zum Bischof ernannt worden war. Ich jedoch war
nicht unverzüglich bereit, die Gnade zu erkennen, die in mir war. Jetzt
allerdings liegt das alles klar vor mir.Jetzt also lege ich meinen Brüdern
und Helfern im Dienst, die mir geglaubt haben, einfach aus, warum ich
gepredigt habe und fortfahre, zu predigen, um euren Glauben zu stärken und
zu festigen. Könntet ihr doch auch höher liegende Ziele erstreben und
größere Werke vollbringen. Das wird mir zur Ehre gereichen, denn „ein
kluger Sohn macht dem Vater Freude“ (Spr 10,1).

Freitag, 8. Juli 2011

Kondolenzschreiben des Großmeisters zum Tode Ottos von Habsburg-Lothringen





"Es ist besser,
etwas gehabt und wieder verloren zu haben,
als es nie gehabt zu haben."

Mit großer Trauer und in tiefem Schmerz haben wir die Nachricht vom Heimgang Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit Erzherzog Ottos von Österreich vernommen.

Mit Seinem Namen verbinden wir vom Orden der Armen Ritter Christi und von der Gabriel-Gesellschaft vor allem EIN Stichwort: „Das auf christlichen Werten basierende Europa der Vaterländer“.
Otto von Habsburg, der als Sohn des letzten christlichen Kaisers Europas auf die Welt gekommen ist, dessen Vater Oberhaupt eines Vielvölkergebildes im Herzen Europas gewesen war, wusste um die Verantwortung um diesen Kontinent, vor allem nach den beiden Weltkriegen. Unermüdlich kämpfte er für die
Ideale und Werte, die ihm von Seinem Vater Karl, der im Jahre 2004 selig gesprochen wurde, und von Seiner Mutter Zita, deren Seligsprechungsprozess im Gange ist, übergeben worden waren. Seine Visionen wurden von allen mit großem Respekt und mit viel Applaus vernommen, aber sie wurden nie in die Tat umgesetzt. Und nun hat uns das „letzte gute Gewissen Europas“ verlassen. Sein Name Otto von Habsburg-Lothringen ist uns jedoch Verpflichtung – treu und fest für ein christliches Deutschland in einem christlichen Europa der Vaterländer einzustehen.

In tiefen Respekt, in Achtung und in großer Sympathie verneigen wir unser Haupt vor Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit Erzherzog Otto von Österreich, den wir sehr vermissen werden. Wir drücken der Kaiserlichen und Königlichen Familie um Erzherzog Karl von Österreich unser tiefstes Mitgefühl aus und versichern Ihm und Seiner Familie unseres Gebetes.

+ nnDnn +

++ Fr. Berthold Möller
Großmeister OPMC und
General-Großmeister
der Gabriel-Gesellschaft

„Klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben“




Lesungen des Tages

Gen. 46,1-7.28-30.


Israel brach auf mit allem, was ihm gehörte. Er kam nach Beerscheba und brachte dem Gott seines Vaters Isaak Schlachtopfer dar.
Da sprach Gott in einer nächtlichen Vision zu Israel: Jakob! Jakob! Hier bin ich!, antwortete er.
Gott sprach: Ich bin Gott, der Gott deines Vaters. Fürchte dich nicht, nach Ägypten hinabzuziehen; denn zu einem großen Volk mache ich dich dort.
Ich selbst ziehe mit dir hinunter nach Ägypten, und ich führe dich auch selbst wieder herauf. Josef wird dir die Augen zudrücken.
Jakob brach von Beerscheba auf. Die Söhne Israels hoben ihren Vater Jakob, ihre Kinder und ihre Frauen auf die Wagen, die der Pharao geschickt hatte, um ihn zu holen.
Sie nahmen ihr Vieh und ihre Habe, die sie in Kanaan erworben hatten, und gelangten nach Ägypten, Jakob und mit ihm alle seine Nachkommen.
Seine Söhne und Enkel, seine Töchter und Enkelinnen, alle seine Nachkommen brachte er mit nach Ägypten.
Jakob schickte Juda voraus zu Josef, um ihn zu sich nach Goschen zu bestellen. So kamen sie ins Gebiet von Goschen.
Josef ließ seinen Wagen anschirren und zog seinem Vater Israel nach Goschen entgegen. Als er ihn sah, fiel er ihm um den Hals und weinte lange.
Israel sagte zu Josef: Jetzt will ich gern sterben, nachdem ich dein Angesicht wieder sehen durfte und weiß, daß du noch am Leben bist.


Ps. 37(36),3-4.18-19.27-28.39-40.


Vertrau auf den Herrn und tu das Gute, bleib wohnen im Land und bewahre Treue!
Freu dich innig am Herrn! Dann gibt er dir, was dein Herz begehrt.
Der Herr kennt die Tage der Bewährten, ihr Erbe hat ewig Bestand.
In bösen Zeiten werden sie nicht zuschanden, sie werden satt in den Tagen des Hungers.

Meide das Böse und tu das Gute, so bleibst du wohnen für immer.
Denn der Herr liebt das Recht und verläßt seine Frommen nicht. Doch das Geschlecht der Frevler wird ausgetilgt, sie werden für immer vernichtet.
Die Rettung der Gerechten kommt vom Herrn, er ist ihre Zuflucht in Zeiten der Not.
Der Herr hilft ihnen und rettet sie, er rettet sie vor den Frevlern; er schenkt ihnen Heil, denn sie suchen Zuflucht bei ihm.



Mt. 10,16-23.


Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; seid daher klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben!
Nehmt euch aber vor den Menschen in acht! Denn sie werden euch vor die Gerichte bringen und in ihren Synagogen auspeitschen.
Ihr werdet um meinetwillen vor Statthalter und Könige geführt, damit ihr vor ihnen und den Heiden Zeugnis ablegt.
Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt.
Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden.
Brüder werden einander dem Tod ausliefern und Väter ihre Kinder, und die Kinder werden sich gegen ihre Eltern auflehnen und sie in den Tod schicken.
Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehaßt werden; wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.
Wenn man euch in der einen Stadt verfolgt, so flieht in eine andere. Amen, ich sage euch: Ihr werdet nicht zu Ende kommen mit den Städten Israels, bis der Menschensohn kommt.


„Klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben“

Durch sein unablässiges Gebet und seine Tugendübung war der Mann Gottes
Franziskus zu einer solch durchsichtigen Leuchtkraft der Seele gelangt,
dass er, ohne durch das Studium das Wissen um die Heiligen Bücher erworben
zu haben, sondern erhellt durch die Strahlen des ewigen Lichts, dennoch mit
erstaunlicher Trefflichkeit in die Tiefen der Schrift eindrang. Sein Geist,
gereinigt von jeder Befleckung, fand Einlass in die verborgenen Geheimnisse
und seine ungestüme Liebe öffnete die Türen, vor denen die Weisheit der
Professoren betteln muss...Einige Brüder baten ihn eines Tages um die
Erlaubnis für jene von ihnen, die studiert hatten, sich dem Studium der
Heiligen Schrift hingeben zu dürfen. Er antwortete: „Ich erlaube es, unter
der Bedingung, dass sie dabei nicht vergessen, sich auch dem Gebet zu
widmen, wie Christus, der – so lesen wir – mehr gebetet hat, als dass er
studierte (vgl. Lk 11,1); 2,46). Und ich erlaube es unter der Bedingung,
dass sie nicht nur studieren, um zu lernen, wie man reden soll, sondern um
zuerst in die Tat umzusetzen, was sie gelernt haben und um dann auch andere
zu lehren, was sie tun sollen, wenn sie selbst es zuerst in die Tat
umgesetzt haben. Ich möchte, so fügte er hinzu, dass meine Brüder Jünger
des Evangeliums seien und dass ihre Fortschritte in der Erkenntnis der
Wahrheit nur Folge ihres Fortschritts in der Reinheit und der Einfachheit
seien. So sollen sie nicht trennen, was ihr Meister mit einem Wort seines
gebenedeiten Mundes geeint hat: „Die Arglosigkeit der Taube und die
Klugheit der Schlange“.

Schlüsselfreundschaften




Haben Sie eine Schlüsselfreundin oder einen Schlüsselfreund?
Ich hatte eine Schlüsselfreundin im wahrsten Sinn des Wortes. Wir tauschten
Schlüssel aus. Sie erhielt einen Schlüssel zu meiner Wohnung und ich erhielt
einen Schlüssel zu ihrer Wohnung. Wir waren gegenseitig immer herzlich
willkommen und konnten uns auch ohne die Anwesenheit der Freundin in der
Wohnung der Anderen zu Hause fühlen. Grosses Vertrauen braucht es für eine
solche tragende Freundschaft. Mit so einer Freundin kann ich Pferde stehlen,
diese Freundschaft geht durch Dick und Dünn.
Ich hab viele Schlüsselfreundschaften. Zum Glück für meine Hosentaschen sind
meine Schlüsselfreundschaften nicht mehr an die Hausschlüssel gebunden. Ich
geniesse es, Freunde zu haben, die mich akzeptieren so wie ich bin.
Freundinnen zu haben, denen ich mich in jeder Lebenslage zumuten kann. Und
dass ich Freundinnen habe, die sich mir anvertrauen, zu deren Herzen ich
einen "Schlüssel" erhalten habe.
Petrus erhält von Jesus den Schlüssel, den Schlüssel für das Himmelreich
(siehe Mt 16,19).
Der Schlüssel, den Jesus Petrus gibt, ist ein Vertrauensbeweis. Petrus wird
Jesus drei Mal verraten. Trotz allem liebt Jesus ihn, sieht ihn als seinen
Freund. Nichts kann Petrus von der Liebe und Freundschaft Jesu trennen.
Tröstlich!
Ich vertraue Gott, bin dankbar für sein Ja zu mir, zu all meinen Ecken,
Kanten und Rundungen. Gottes Ja macht mir Mut, gibt mir Kraft, immer wieder
die zu sein, die ich bin. Gottes Ja zu mir ermuntert mich auch zu meinen
Mitmenschen, nicht nur zu meinen Freundinnen und Freunden, Ja zu sagen und
ihnen mit Respekt zu begegnen, so dass ich immer wieder neue
Schlüsselfreundschaften eröffnen kann.

Donnerstag, 7. Juli 2011

"Friede komme über dieses Haus“




Lesungen des Tages

Gen. 44,18-21.23b-29.45,1-5.


Da trat Juda an ihn heran und sagte: Bitte, mein Herr, dein Knecht darf vielleicht meinem Herrn offen etwas sagen, ohne daß sein Zorn über deinen Knecht entbrennt; denn du bist wie der Pharao.
Mein Herr hat seine Knechte gefragt: Habt ihr einen Vater oder Bruder?
Wir erwiderten meinem Herrn: Wir haben einen alten Vater und einen kleinen Bruder, der ihm noch in hohem Alter geboren wurde. Dessen Bruder ist gestorben; er ist allein von seiner Mutter noch da, und sein Vater liebt ihn besonders.
Du aber hast von deinen Knechten verlangt: Bringt ihn her zu mir, ich will ihn mit eigenen Augen sehen.
Du aber sagtest zu deinen Knechten: Wenn euer jüngster Bruder nicht mit euch kommt, dürft ihr mir nicht mehr unter die Augen treten.
Als wir zu deinem Knecht, deinem Vater, hinaufgekommen waren, erzählten wir ihm, was mein Herr gesagt hatte.
Als dann unser Vater sagte: Kauft uns noch einmal etwas Brotgetreide!,
entgegneten wir: Wir können nicht hinunterziehen; nur wenn unser jüngster Bruder dabei ist, ziehen wir hinunter. Wir können nämlich dem Mann nicht mehr unter die Augen treten, wenn nicht unser jüngster Bruder dabei ist.
Darauf antwortete uns dein Knecht, mein Vater: Ihr wißt, daß mir meine Frau zwei Söhne geboren hat.
Einer ist von mir gegangen, und ich sagte: Er ist gewiß zerrissen worden. Ich habe ihn bis heute nicht mehr gesehen.
Nun nehmt ihr mir auch den noch weg. Stößt ihm ein Unglück zu, dann bringt ihr mein graues Haar vor Leid in die Unterwelt.
Josef vermochte sich vor all den Leuten, die um ihn standen, nicht mehr zu halten und rief: Schafft mir alle Leute hinaus! So stand niemand bei Josef, als er sich seinen Brüdern zu erkennen gab.
Er begann so laut zu weinen, daß es die Ägypter hörten; auch am Hof des Pharao hörte man davon.
Josef sagte zu seinen Brüdern: Ich bin Josef. Ist mein Vater noch am Leben? Seine Brüder waren zu keiner Antwort fähig, weil sie fassungslos vor ihm standen.
Josef sagte zu seinen Brüdern: Kommt doch näher zu mir her! Als sie näher herangetreten waren, sagte er: Ich bin Josef, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt.
Jetzt aber laßt es euch nicht mehr leid sein, und grämt euch nicht, weil ihr mich hierher verkauft habt. Denn um Leben zu erhalten, hat mich Gott vor euch hergeschickt.


Ps. 105(104),16-17.18-19.20-21.


Dann aber rief er den Hunger ins Land, entzog ihnen allen Vorrat an Brot.
Doch hatte er ihnen einen Mann vorausgesandt: Josef wurde als Sklave verkauft.
Man spannte seine Füße in Fesseln und zwängte seinen Hals ins Eisen
bis zu der Zeit, als sein Wort sich erfüllte und der Spruch des Herrn ihm recht gab.

Da sandte der König einen Boten und ließ ihn frei, der Herrscher der Völker ließ ihn heraus.
Er bestellte ihn zum Herrn über sein Haus, zum Gebieter über seinen ganzen Besitz.


Mt. 10,7-15.


Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe.
Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.
Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel.
Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Unterhalt.
Wenn ihr in eine Stadt oder in ein Dorf kommt, erkundigt euch, wer es wert ist, euch aufzunehmen; bei ihm bleibt, bis ihr den Ort wieder verlaßt.
Wenn ihr in ein Haus kommt, dann wünscht ihm Frieden.
Wenn das Haus es wert ist, soll der Friede, den ihr ihm wünscht, bei ihm einkehren. Ist das Haus es aber nicht wert, dann soll der Friede zu euch zurückkehren.
Wenn man euch aber in einem Haus oder in einer Stadt nicht aufnimmt und eure Worte nicht hören will, dann geht weg, und schüttelt den Staub von euren Füßen.
Amen, das sage ich euch: Dem Gebiet von Sodom und Gomorra wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie dieser Stadt.

"Friede komme über dieses Haus“

Diakon: Lasst uns in Eintracht zum Herrn beten. Alle: Kyrie eleison. Für
den Frieden in der Höhe und die Rettung unserer Seelen. Zum Herrn lasst uns
beten: Kyrie eleison.Für den Frieden der ganzen Welt, für den Bestand der
heiligen Kirchen des Herrn und für die Gemeinschaft aller. Zum Herrn lasst
uns beten: Kyrie eleison.Für dieses heilige Haus, für alle, die es betreten
mit Glauben, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Zum Herrn lasst uns beten: Kyrie
eleison.Für unseren Vater und seligen Patriarchen N., für unseren Bischof
N., für den ehrwürdigen Priesterstand, für das Diakonat in Christus, für
die ganze Geistlichkeit und das Volk. Zum Herrn lasst uns beten: Kyrie
eleison.Für unser Land und die es regieren, besonders für die Diener Gottes
N.N. ... Zum Herrn lasst uns beten: Kyrie eleison.Für diese Stadt (oder
„dieses Dorf“ oder „dieses heilige Kloster“), für alle Städte und Gegenden
und die Gläubigen, die darin wohnen. Zum Herrn lasst uns beten: Kyrie
eleison.Um günstiges Wetter, um reiche Ernte und friedliche Tage. Zum Herrn
lasst uns beten: Kyrie eleison.Für alle, die auf dem Meer sind und Wind und
Wetter ausgeliefert, für die Reisenden, die Kranken, die Betrübten, die
Gefangenen, für alle die leiden, und für das Heil aller. Zum Herrn lasst
uns beten: Kyrie eleison.Dass er uns befreie von aller Betrübnis, von Zorn,
aus Gefahr und Not. Zum Herrn lasst uns beten: Kyrie eleison.Hilf uns,
rette uns, erbarme dich unser und behüte uns aus Gnade, o Gott. Kyrie
eleison.*********Nachdem wir aller Heiligen gedacht haben, wollen wir
erneut zum Herrn beten. Kyrie eleison.Dass dieser ganze Tag vollkommen sei,
heilig, friedlich und ohne Sünde. Darum lasst uns den Herrn bitten. Gewähre
es uns, Herr.Um einen Friedensengel, einen treuen Führer, einen Hüter
unserer Seele und unsres Leibes. Darum lasst uns den Herrn bitten. Gewähre
es uns, Herr.Um Vergebung und Nachlass unsrer Sünden und Vergehen. Darum
lasst uns den Herrn bitten. Gewähre es uns, Herr.Um das, was gut und
nützlich ist für unsere Seele, und um den Frieden der Welt. Darum lasst uns
den Herrn bitten. Gewähre es uns, Herr.Dass wir unsere restlichen Tage
verleben in Frieden und Buße. Darum lasst uns den Herrn bitten. Gewähre es
uns, Herr.Um ein christliches Ende, ohne Schmerz, ohne Schmach, im Frieden,
und um unsere Rechtfertigung vor seinem furchterregenden Thron. Darum lasst
uns den Herrn bitten. Gewähre es uns, Herr.

Sonnenblumen




Jetzt leuchten sie wieder, die Sonnenblumen. Schon eine einzelne voll
erblühte Sonnenblume ist ein prachtvoller Anblick. Ein ganzes Feld ist eine
wahre Augenweide. Ein paar Kerne, im April oder Mai in den Boden gesteckt,
ergeben im Sommer und Herbst ein schmuckes Blumenbeet. Ich finde sie einfach
faszinierend, diese einjährige Riesenblume, die ursprünglich aus dem
tropischen Amerika stammt.

Ihre weltweite Verbreitung hat die Sonnenblume nicht nur als Zierpflanze,
sondern als eigentliche Nutzpflanze erhalten. Die fetthaltigen Kerne liefern
ein gutes Speiseöl, die Pflanze dient als nahrhaftes Viehfutter, die Kerne
sind eine Zugabe zu Salaten und auch Vogelnahrung. Eine perfekte Pflanze:
eine prächtige Blume, eine nützliche Nahrungslieferantin!

Noch etwas fasziniert mich an der Sonnenblume: Sie wendet sich immer dem
Sonnenlicht zu. An sonnigen Tagen verfolgen ihre Blätter und Knospen die
Sonne auf ihrer Reise entlang des Himmels von Ost nach West, um dann nachts
oder in der Morgendämmerung auf ihre nach Osten gerichtete Position
zurückzukehren. Die reifen Fruchtstände weisen in der Regel nach Osten –
dorthin, wo die Sonne aufgeht.

Warum machen wir es nicht auch so: Statt dauernd ins Dunkle, Unerfreuliche,
Hässliche zu schauen (und darunter zu leiden und darüber zu schimpfen)
könnten wir unseren Blick dem Hellen, Schönen, Erfreulichen zuwenden. Dann
könnte sich unser Gesicht aufhellen, und wir würden mehr einer Sonnenblume
als einer Sauerampfer gleichen. Dann würden wir für unsere Mitmenschen
vielleicht auch eine Augenweide.
Machen wir es doch wie die Sonnenblumen!

Mittwoch, 6. Juli 2011

„Verkündet: Das Reich Gottes ist nahe.“




Lesungen des Tages

Gen. 41,55-57.42,5-7a.17-24a.


Da ganz Ägypten Hunger hatte, schrie das Volk zum Pharao nach Brot. Der Pharao aber sagte zu den Ägyptern: Geht zu Josef! Tut, was er euch sagt.
Als die Hungersnot über das ganze Land gekommen war, öffnete Josef alle Speicher und verkaufte Getreide an die Ägypter. Aber der Hunger wurde immer drückender in Ägypten.
Auch alle Welt kam nach Ägypten, um bei Josef Getreide zu kaufen; denn der Hunger wurde immer drückender auf der ganzen Erde.
Die Söhne Israels kamen also mitten unter anderen, die auch gekommen waren, um Getreide zu kaufen; denn Hungersnot herrschte in Kanaan.
Josef verwaltete das Land. Er war es, der allen Leuten im Lande Getreide verkaufte. So kamen Josefs Brüder und warfen sich vor ihm mit dem Gesicht zur Erde nieder.
Als Josef seine Brüder sah, erkannte er sie. Aber er gab sich ihnen nicht zu erkennen, sondern fuhr sie barsch an. Er fragte sie: Wo kommt ihr her? Aus Kanaan, um Brotgetreide zu kaufen, sagten sie.
Dann ließ er sie für drei Tage in Haft nehmen.
Am dritten Tag sagte Josef zu ihnen: Tut folgendes, und ihr werdet am Leben bleiben, denn ich fürchte Gott:
Wenn ihr ehrliche Leute seid, soll einer von euch Brüdern in dem Gefängnis zurückgehalten werden, in dem ihr in Haft gewesen seid. Ihr anderen aber geht und bringt das gekaufte Getreide heim, um den Hunger eurer Familien zu stillen.
Euren jüngsten Bruder aber schafft mir herbei, damit sich eure Worte als wahr erweisen und ihr nicht sterben müßt. So machten sie es.
Sie sagten zueinander: Ach ja, wir sind an unserem Bruder schuldig geworden. Wir haben zugesehen, wie er sich um sein Leben ängstigte. Als er uns um Erbarmen anflehte, haben wir nicht auf ihn gehört. Darum ist nun diese Bedrängnis über uns gekommen.
Ruben entgegnete ihnen: Habe ich euch nicht gesagt: Versündigt euch nicht an dem Kind! Ihr aber habt nicht gehört. Nun wird für sein Blut von uns Rechenschaft gefordert.
Sie aber ahnten nicht, daß Josef zuhörte, denn er bediente sich im Gespräch mit ihnen eines Dolmetschers.
Er wandte sich von ihnen ab und weinte. Als er sich ihnen wieder zuwandte und abermals mit ihnen redete, ließ er aus ihrer Mitte Simeon festnehmen und vor ihren Augen fesseln.


Ps. 33(32),2-3.10-11.18-19.


Preist den Herrn mit der Zither, spielt für ihn auf der zehnsaitigen Harfe!
Singt ihm ein neues Lied, greift voll in die Saiten und jubelt laut!
Der Herr vereitelt die Beschlüsse der Heiden, er macht die Pläne der Völker zunichte.
Der Ratschluß des Herrn bleibt ewig bestehen, die Pläne seines Herzens überdauern die Zeiten.

Doch das Auge des Herrn ruht auf allen, die ihn fürchten und ehren, die nach seiner Güte ausschaun;
denn er will sie dem Tod entreißen und in der Hungersnot ihr Leben erhalten.


Mt. 10,1-7.


Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen.
Die Namen der zwölf Apostel sind: an erster Stelle Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas, dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes,
Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus, der Zöllner, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus,
Simon Kananäus und Judas Iskariot, der ihn später verraten hat.
Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht zu den Heiden, und betretet keine Stadt der Samariter,
sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.
Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe.


„Verkündet: Das Reich Gottes ist nahe.“

Um was bittet die Kirche euch heute, die ihr weltliche Macht ausübt? ...
Sie bittet euch nur um die Freiheit! Die Freiheit zu glauben und den
Glauben zu verkündigen, die Freiheit, Gott zu lieben und ihm zu dienen, die
Freiheit zu leben und den Menschen seine Botschaft des Lebens zu bringen.
Fürchtet euch nicht davor: Diese Botschaft ist Abbild ihres Meisters,
dessen geheimnisvolles Wirken nicht eure Verpflichtungen zunichte macht,
sondern jedes menschliche Wesen von seiner fatalen Hinfälligkeit heilt, es
verklärt, mit Hoffnung, Wahrheit und Schönheit erfüllt.Hindert Christus
nicht daran, auf die Gesellschaft in dieser Weise reinigend einzuwirken!
Kreuzigt ihn nicht von neuem: Das wäre ein Sakrileg, denn er ist der Sohn
Gottes. Das wäre Selbstmord, denn er ist der Menschensohn. Gestattet uns
also, seinen demütigen Handlangern, überall frei die Frohe Botschaft zu
verkünden, das Evangelium des Friedens, über das wir während dieses Konzils
meditiert haben. Eure Völker werden in den Genuss dieser Wohltaten kommen,
denn die Kirche macht aus ihnen für euch loyale Bürger, Freunde des
sozialen Friedens und des Fortschritts.An diesem festlichen Tag, wo sie die
Sitzungsperioden des 21. ökumenischen Konzils abschließt, bietet euch die
Kirche an, ihre Freundschaft anzunehmen, ihre Dienste, ihre geistlichen und
moralischen Kräfte. Sie richtet an euch alle ihre Botschaft des Heils und
des Segens. Nehmt sie an mit freudigem und aufrichtigem Herzen, da sie euch
diese anbietet, und tragt sie zu euren Völkern!

Missverständnis




Nicht weil ich nicht zugehört hätte, habe ich ihn falsch verstanden. Nein. Ich habe zugehört und mir einen völlig falschen Zusammenhang überlegt. Am Schluss war es, wie wenn wir in zwei verschiedenen Sprachen miteinander gesprochen hätten – und keiner hat den Anderen verstanden! Ein Missverständnis.

Dazu möchte ich ihnen diese Geschichte erzählen.

"Ein russischer Jude unternimmt eine Schiffsreise in die Neue Welt. Bei jeder Mahlzeit sitzt er an einem Tisch mit einem Franzosen, mit dem er sich nicht verständigen kann. Der Jude spricht nur Russisch und Jiddisch, der Franzose nur Französisch. Trotzdem verbeugt sich der Franzose vor jeder Mahlzeit und sagt:
"Bon appétit."
Nach einem Augenblick des Zögerns entgegnet der Jude:
"Pinsky."
Vor jeder Mahlzeit wünscht der Franzose guten Appetit, worauf der Jude mit seinem Namen antwortet.
Ein anderer Passagier, der die Szene immer wieder beobachtet hat, verrät Pinsky schliesslich:
"Wissen Sie, 'Bon appétit' ist nicht sein Name. Das heisst, dass er ihnen eine angenehme Mahlzeit wünscht."
Als nun der Franzose zur nächsten Mahlzeit erscheint, verbeugt sich Pinsky und wünscht:
"Bon appétit!"
Darauf der Franzose glücklich:
"Pinsky!""

Eine tolle Geschichte. Nur brauchen leider unsere Missverständnisse in der Regel mehr Aufwand, um wieder miteinander zu einem guten Einvernehmen zu kommen.

Dienstag, 5. Juli 2011

„Er verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten“




Lesungen des Tages

Gen. 32,23-33.


In derselben Nacht stand er auf, nahm seine beiden Frauen, seine beiden Mägde sowie seine elf Söhne und durchschritt die Furt des Jabbok.
Er nahm sie und ließ sie den Fluß überqueren. Dann schaffte er alles hinüber, was ihm sonst noch gehörte.
Als nur noch er allein zurückgeblieben war, rang mit ihm ein Mann, bis die Morgenröte aufstieg.
Als der Mann sah, daß er ihm nicht beikommen konnte, schlug er ihn aufs Hüftgelenk. Jakobs Hüftgelenk renkte sich aus, als er mit ihm rang.
Der Mann sagte: Laß mich los; denn die Morgenröte ist aufgestiegen. Jakob aber entgegnete: Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest.
Jener fragte: Wie heißt du? Jakob, antwortete er.
Da sprach der Mann: Nicht mehr Jakob wird man dich nennen, sondern Israel (Gottesstreiter); denn mit Gott und Menschen hast du gestritten und hast gewonnen.
Nun fragte Jakob: Nenne mir doch deinen Namen! Jener entgegnete: Was fragst du mich nach meinem Namen? Dann segnete er ihn dort.
Jakob gab dem Ort den Namen Penuël (Gottesgesicht) und sagte: Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen und bin doch mit dem Leben davongekommen.
Die Sonne schien bereits auf ihn, als er durch Penuël zog; er hinkte an seiner Hüfte.
Darum essen die Israeliten den Muskelstrang über dem Hüftgelenk nicht bis auf den heutigen Tag; denn er hat Jakob aufs Hüftgelenk, auf den Hüftmuskel geschlagen.


Ps. 17(16),1.2-3.6-7.8b.15.


[Ein Gebet Davids.] Höre, Herr, die gerechte Sache, achte auf mein Flehen, vernimm mein Gebet von Lippen ohne Falsch!
Von deinem Angesicht ergehe mein Urteil; denn deine Augen sehen, was recht ist.
Prüfst du mein Herz, suchst du mich heim in der Nacht und erprobst mich, dann findest du an mir kein Unrecht. Mein Mund verging sich nicht,
Ich rufe dich an, denn du, Gott, erhörst mich. Wende dein Ohr mir zu, vernimm meine Rede!

Wunderbar erweise deine Huld! Du rettest alle, die sich an deiner Rechten vor den Feinden bergen.
Behüte mich wie den Augapfel, den Stern des Auges, birg mich im Schatten deiner Flügel
Ich aber will in Gerechtigkeit dein Angesicht schauen, mich satt sehen an deiner Gestalt, wenn ich erwache.


Mt. 9,32-38.


Als sie gegangen waren, brachte man zu Jesus einen Stummen, der von einem Dämon besessen war.
Er trieb den Dämon aus, und der Stumme konnte reden. Alle Leute staunten und sagten: So etwas ist in Israel noch nie geschehen.
Die Pharisäer aber sagten: Mit Hilfe des Anführers der Dämonen treibt er die Dämonen aus.
Jesus zog durch alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden.
Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben.
Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter.
Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.


„Er verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten“

Jesus Christus, von seinen Feinden aufs Schlimmste verachtet und verhöhnt,
bemüht sich noch mehr darum, ihnen Gutes zu tun... Er durchwandert Städte
und Dörfer und geht in die Synagogen: so lehrt er uns, wie wir auf
Verleumdungen nicht mit Verleumdung antworten sollen, sondern mit noch
größeren Wohltaten. Ja, wenn du deinem Nächten Gutes tust, tust du es um
Gott zu gefallen und nicht den Menschen. Was immer Menschen tun, hör nicht
auf, ihnen Gutes zu tun! Dein Lohn wird umso größer sein... Schau, Christus
wartete nicht, bis Kranke zu ihm kamen: er ging auf sie zu und brachte
ihnen gleichzeitig die zwei wesentlichen Güter: das Evangelium vom Reich
und die Heilung all ihrer Krankheiten. Und damit begnügte er sich nicht: er
zeigte ihnen noch auf andere Weise, wie sehr er um sie besorgt war: „Als er
die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde
und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. Da sagte er zu seinen
Jüngern: ´Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also
den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.´“ Nimm nochmal
zur Kenntnis, wie sehr ihm eitler Ruhm zuwider war. Er wollte nicht alle
Welt auf seine Seite ziehen, er sandte seine Jünger aus. Er wollte sie
nicht nur für die Kämpfe ausbilden, die ihnen in Judäa bevorstanden,
sondern auch für die Schlachten, die sie auf der ganzen Erde schlagen
würden... Jesus verlieh seinen Jüngern zunächst Kraft, Krankheiten des
Leibes zu heilen, um ihnen dann auch die Kraft zur Heilung von Seelen zu
übertragen. Beachte, wie er ihnen aufzeigt, wie leicht und zugleich
notwendig diese Aufgabe ist. Denn was sagt er? „Die Ernte ist groß, aber es
gibt nur wenig Arbeiter.“ Ich sende euch nicht aus, damit ihr sät, sondern
damit ihr erntet... Mit diesen Worten macht er ihnen Mut und lässt sie
wissen, dass die wichtigste Arbeit bereits getan ist.

Zivilcourage




Sie ist anfangs Zwanzig, die junge Frau, die zu ihm ins Gespräch kommt. Sie berichtet das folgende Erlebnis:

"Ich fahre mit der S-Bahn in die Stadt. Es sitzen nicht viele Menschen im Zug. Neben mir sind in einem Abteil zwei ältere Frauen zwischen Sechzig und Siebzig. Sie unterhalten sich angeregt. Ich sitze allein in meinem Abteil. Der Zug hält. Es steigen Leute zu, unter ihnen auch ein junger Mann, etwas älter als ich. Er ist nicht mein Typ. Er läuft etwa drei Mal durch unseren Wagen und setzt sich dann neben mich.
Dann quatscht er mich an. Ich will nicht mit ihm sprechen und sage ihm dies auch. Er macht weiter Annäherungsversuche. Ich sage laut und deutlich, dass ich absolut kein Interesse habe. Er belästigt mich weiter.

Da steht eine der älteren Frauen von gegenüber auf und sagt dem Mann höflich, bestimmt und deutlich, dass er jetzt am besten aufstehe und einen Wagen weitergehe. Sie sagt kein Wort zu viel, kein Wort zu wenig – und bleibt stehen, bis der Mann aufgestanden und gegangen ist.

Völlig perplex bedanke ich mich und bekomme ein Lächeln von der alten Dame. Dann sitzt sie wieder ab und spricht mit ihrer Bekannten weiter."

Das ist nicht das erste Mal, dass ich von solcher Zivilcourage von älteren Frauen höre. Mich beeindruckt das sehr. Und ich wäre froh, wir alle hätten in solchen und ähnlichen Situationen wieder vermehrt diesen Mut und diese Zivilcourage, uns für andere einzusetzen. Das würde einigen alltäglichen Wahnsinn zunichte machen!

Montag, 4. Juli 2011

In Memoriam




SKKH Erzherzog Otto von Habsburg, Sohn des letzten Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn, des Sel. Karl I, ist heute morgen verstorben. Er war einer der führenden Vertreter der Europa-Idee.

SKKH Erzherzog Otto von Habsburg Starb heute morgen im Alter von 98 Jahren.

In Memoriam: SKKH Erzherzog Otto von Habsburg. Requiescat in Pace.

Herr, gib ihm die Erfüllung seiner Sehnsucht und vollende sein Leben in dir. Lass ihn dein Angesicht schauen. Amen.

„Das Mädchen ist nicht gestorben, es schläft nur“




Lesungen des Tages

Gen. 28,10-22a.


Jakob zog aus Beerscheba weg und ging nach Haran.
Er kam an einen bestimmten Ort, wo er übernachtete, denn die Sonne war untergegangen. Er nahm einen von den Steinen dieses Ortes, legte ihn unter seinen Kopf und schlief dort ein.
Da hatte er einen Traum: Er sah eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte. Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder.
Und siehe, der Herr stand oben und sprach: Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks. Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben.
Deine Nachkommen werden zahlreich sein wie der Staub auf der Erde. Du wirst dich unaufhaltsam ausbreiten nach Westen und Osten, nach Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen werden alle Geschlechter der Erde Segen erlangen.
Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst, und bringe dich zurück in dieses Land. Denn ich verlasse dich nicht, bis ich vollbringe, was ich dir versprochen habe.
Jakob erwachte aus seinem Schlaf und sagte: Wirklich, der Herr ist an diesem Ort, und ich wußte es nicht.
Furcht überkam ihn, und er sagte: Wie ehrfurchtgebietend ist doch dieser Ort! Hier ist nichts anderes als das Haus Gottes und das Tor des Himmels.
Jakob stand früh am Morgen auf, nahm den Stein, den er unter seinen Kopf gelegt hatte, stellte ihn als Steinmal auf und goß Öl darauf.
Dann gab er dem Ort den Namen Bet-El (Gotteshaus). Früher hieß die Stadt Lus.
Jakob machte das Gelübde: Wenn Gott mit mir ist und mich auf diesem Weg, den ich eingeschlagen habe, behütet, wenn er mir Brot zum Essen und Kleider zum Anziehen gibt,
wenn ich wohlbehalten heimkehre in das Haus meines Vaters und der Herr sich mir als Gott erweist,
dann soll der Stein, den ich als Steinmal aufgestellt habe, ein Gotteshaus werden, und von allem, was du mir schenkst, will ich dir den zehnten Teil geben.


Ps. 91(90),1-2.3-4.14-15ab.


Wer im Schutz des Höchsten wohnt und ruht im Schatten des Allmächtigen,
der sagt zum Herrn: «Du bist für mich Zuflucht und Burg, mein Gott, dem ich vertraue.»
Er rettet dich aus der Schlinge des Jägers und aus allem Verderben.
Er beschirmt dich mit seinen Flügeln, unter seinen Schwingen findest du Zuflucht, Schild und Schutz ist dir seine Treue.

«Weil er an mir hängt, will ich ihn retten; ich will ihn schützen, denn er kennt meinen Namen.
Wenn er mich anruft, dann will ich ihn erhören. Ich bin bei ihm in der Not, befreie ihn und bringe ihn zu Ehren.


Mt. 9,18-26.


Während Jesus so mit ihnen redete, kam ein Synagogenvorsteher, fiel vor ihm nieder und sagte: Meine Tochter ist eben gestorben; komm doch, leg ihr deine Hand auf, dann wird sie wieder lebendig.
Jesus stand auf und folgte ihm mit seinen Jüngern.
Da trat eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutungen litt, von hinten an ihn heran und berührte den Saum seines Gewandes;
denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt.
Jesus wandte sich um, und als er sie sah, sagte er: Hab keine Angst, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Und von dieser Stunde an war die Frau geheilt.
Als Jesus in das Haus des Synagogenvorstehers kam und die Flötenspieler und die Menge der klagenden Leute sah,
sagte er: Geht hinaus! Das Mädchen ist nicht gestorben, es schläft nur. Da lachten sie ihn aus.
Als man die Leute hinausgedrängt hatte, trat er ein und faßte das Mädchen an der Hand; da stand es auf.
Und die Kunde davon verbreitete sich in der ganzen Gegend.


„Das Mädchen ist nicht gestorben, es schläft nur“

Der Synagogenvorsteher kann als Repräsentant des mosaischen Gesetzes
verstanden werden. Er betete für das Volk, das vom Gesetz auf Christus hin
erzogen worden war, und predigte über seine erwartete Ankunft. Dieser
Synagogenvorsteher nun bittet den Herrn, eine Tote wieder lebendig zu
machen... Der Herr sagte ihm seine Hilfe zu und folgte ihm, um ihn seiner
Hilfe zu vergewissern. Zunächst aber werden die vielen sündigen Heiden im
Beisein der Apostel gerettet. Das Geschenk des Lebens kam an erster Stelle
den durch das Gesetz Auserwählten zu; vorher aber wurde, in der Person der
Frau, das Heil den Zöllnern und Sündern geschenkt. Deshalb vertraut diese
Freu, als sie den Herrn vorbeiziehen sieht, darauf, dass sie durch die
Berührung seines Gewandes von ihrem Blutfluss geheilt wird... In dieser
Überzeugung berührt sie hastig den Saum seines Gewandes. So will sie sich
im Beisein der Apostel die Gabe des Heiligen Geistes erwirken, der aus dem
Leib Christi strömt und ihn umsäumt. Sie ist schnell geheilt. Das Heil, das
für das Mädchen bestimmt ist, wird so auch der Frau zuteil, deren Glaube
und Beharrlichkeit der Herr gepriesen hat. Denn, was Israel zugedacht war,
wurde von den Heidenvölkern angenommen ... Die heilende Kraft im Leib des
Herrn wirkte auch noch im Saum seines Gewandes. Gott war nicht teilbar,
noch ließ er sich in Besitz nehmen, so dass man ihn hätte in einen Leib
einschließen können. Er verteilt selber im Heiligen Geist seine Gaben, ist
aber in seinen Gaben nicht zerteilt. Durch Glauben ist seine Kraft überall
erreichbar, weil sie überall ist und nirgends nicht ist. Der Leib, den er
angenommen hat, hat seiner Macht keine Grenzen gesetzt, aber seine Macht
hat die Zerbrechlichkeit eines Leibes angenommen, um ihn zu
erlösen... Der Herr geht dann in das Haus des Vorstehers, anders
ausgedrückt, er geht in die Synagoge... und viele machen sich über ihn
lustig. Sie glaubten ja nicht an Gott in Menschengestalt; sie lachten, als
sie die Verkündigung von der Auferstehung der Toten vernahmen. Der Herr
also nahm das Mädchen an der Hand und führte es, dessen Tod für ihn nur
Schlaf war, ins Leben zurück.

Englischer Gruß




Mit 60 Jahren sass meine Grossmutter mit mir am Tisch. Wir beide vor
Hausaufgaben. Sie hatte die Englischgrammatik und ein Wörterbuch
aufgeschlagen, ich begann im ersten Lesebuch die Buchstaben zu Wörtern
zusammenzufügen. Mich wunderte es doppelt, dass meine Grossmutter Englisch
lernte.
Erstens machte ich meine ersten Schulerfahrungen und war sehr erstaunt, dass
"so alte Leute" noch in die Schule gehen und lernen. Zweitens musste sie
doch längst Englisch können, beteten wir doch jeweils, wenn ich bei ihr in
den Ferien war, jeden Tag den "Englischen Gruss".

Jahre sind ins Land gezogen, ich spreche Englisch und weiss, was der
Englische Gruss oder Angelus ist, bete ihn aber kaum mehr.

Was mir aber von meiner Grossmutter geblieben ist, das ist die Gewohnheit,
den Tag zu unterbrechen oder durchbrechen mit einem Gebet. Wann immer es
sich ergibt, wende ich meine Gedanken zu Gott. Es sind kaum mehr die
Kirchenglocken, die mich dazu aufrufen. Es ist die Polizei oder der
Krankenwagen, die mit Blaulicht auf sich aufmerksam machen, die mich
innehalten lassen. Es ist die Freude an der Natur auf einem Waldspaziergang
oder beim Bad im See oder auf dem Velo unterwegs, die mir ein Strahlen in
die Augen legen und Gott danken lassen. Wenn ich von Krankheit und
schwierigen Lebenssituationen erfahre, dann durchbreche ich den Tag und
wende mich Gott zu. So gibt es täglich viel Gründe, den Tag zu unterbrechen.
Dann stelle ich Menschen und Natur bewusst unter Gottes Schutz, bitte um den
Segen Gottes für Mitmenschen und für mich. Und so hoffe ich, dass es auch
uns Menschen gelingt, Schutz und Segen zu sein für Mitmenschen und Natur -
mit der Hilfe Gottes.

Für diese kleine Geschichte Bedanken wir uns bei der Ökumenischen Bahnhof Kirche
am Züricher Hauptbahnhof.